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Nach Schüssen in Fort Lauderdale Suche nach dem Motiv

07.01.2017 - 17:14
Hintergründe der Bluttat noch unklar© APA (AFP/Getty)Hintergründe der Bluttat noch unklar

Nach den tödlichen Schüssen auf dem internationalen Flughafen von Fort Lauderdale im US-Staat Florida suchen die Ermittler nach dem Motiv des Schützen. Laut Behörden erschoss ein ehemaliger, früher im Irak stationierter Soldat in der Gepäckabholung fünf Menschen und verletzte acht weitere, bevor er sich widerstandslos festnehmen ließ.

Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums sagte, bei dem Schützen handle es sich um einen ehemaligen Soldaten der Nationalgarde von Puerto Rico und Alaska. Der 26 Jahre alte Schütze ist ein möglicherweise psychisch kranker Irak-Veteran. Nach FBI-Angaben suchte er im November ein Büro der Bundespolizei in Alaska auf und behauptete, die Regierung zwinge ihn, Propaganda-Videos der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschauen.

Medienberichten zufolge hatten FBI-Beamte ihn vor zwei Monaten in die Psychiatrie gebracht. Bei dem Schützen wurde ein Armeeausweis gefunden. Laut seinen Papieren heißt der Mann Esteban Santiago.

Der Mann soll in der Nationalgarde von Alaska sowie von Puerto Rico gedient haben von 2010 bis 2011 im Irak eingesetzt worden sein. Er habe die Armee im August 2016 verlassen, sagte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. Bekannten sagte er angeblich, er höre Stimmen, die ihn dazu drängten, sich dem IS anzuschließen. Der Mann habe bei einem Besuch aber klar zu erkennen gegeben, dass er nicht vorhabe, jemanden zu verletzen, zitierten US-Medien am Samstag den FBI-Beamten George Piro.

Wie es weiter hieß, waren die Äußerungen des Mannes jedoch so wirr, dass eine psychische Untersuchung veranlasst wurde. Der Mann habe sich dazu freiwillig in ein Krankenhaus begeben.

Das FBI habe bei Nachforschungen nach dem seltsamen Besuch keine Hinweise auf eine Radikalisierung gefunden. Es habe auch keine Auslandsreisen gegeben, die auf Kontakte zum IS hindeuteten. Dennoch schloss das FBI ein terroristisches Motiv zunächst nicht völlig aus.

Bei einer Pressekonferenz antworteten Behördenvertreter auf die Frage, ob ein terroristisches Tatmotiv infrage komme, für eine Antwort darauf sei es "noch zu früh". Bürgermeisterin Barbara Sharief sagte, es gebe "keine Erkenntnisse, dass es einen weiteren Täter gab".

Der Sender CBS News berichtete unter Berufung auf Bundespolizisten, ein Mann, der auf die Beschreibung von Esteban Santiago passe, sei vor zwei Monaten in ein Büro der Bundespolizei FBI in Anchorage (Alaska) gekommen. Er habe versichert, dass er gezwungen worden sei, für die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu kämpfen. Aus Sorge um seinen psychischen Zustand hätten die FBI-Beamten den Mann in eine psychiatrische Klinik gebracht, hieß es in dem Bericht. Laut CBS war gegen den Schützen vor einigen Jahren ergebnislos in einem Kinderporno-Fall ermittelt worden.

Laut US-Medien war Santiago mit einem Flugzeug aus Kanada oder Alaska in Fort Lauderdale gelandet. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, die Schusswaffe des Schützen sei in seinem aufgegebenen Gepäck gewesen und von ihm offiziell deklariert worden.

"Er hat willkürlich auf Leute gezielt", sagte der Augenzeuge Mark Lea dem Sender MSNBC. Der Schütze sei "die ganze Zeit ruhig geblieben" und habe nicht versucht, vor der Polizei zu fliehen. Nachdem er sein Magazin leergeschossen habe, habe er seine Waffe abgelegt und sich festnehmen lassen. "Die Polizei hat keinen Schuss abgeben müssen", bestätigte der Sheriff des Landkreises Broward, Scott Israel.

Laut Flughafenverwaltung spielte sich das Geschehen im Bereich der Gepäckabholung im Terminal 2 ab. Der Augenzeuge John Schlicher sagte auf Fox News: "Ich hörte den ersten Schuss." In dem Moment sei ein Mensch genau neben ihm auf den Boden gestürzt. "Es war sehr surreal."

Der Pressesprecher des früheren US-Präsidenten George W. Bush, Ari Fleischer, befand sich zum Zeitpunkt der Tat zufällig am Flughafen. "Es fallen Schüsse, alle rennen", schrieb Fleischer im Kurzbotschaftendienst Twitter. Zahlreiche Passagiere suchten Schutz auf dem Rollfeld des Flughafens. Jorge Curiel, der mit seinen Kindern auf dem Flughafen war, sagte AFP, während der Schüsse seien keine Polizei und kein Flughafenpersonal zu sehen gewesen.

Der Flughafenbetrieb in Fort Lauderdale wurde vorübergehend unterbrochen. Der Flughafen ist Zwischenstopp für viele Touristen, die eine Kreuzfahrt oder einen Urlaub in der Karibik gebucht haben. Auch nach der Festnahme des Schützen durften die Reisenden stundenlang nicht den Flughafen verlassen.

Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, ließ sich am Flughafen über die Lage informieren. Der künftige US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, er verfolge die "schreckliche Lage in Florida". Der amtierende US-Präsident Barack Obama sagte auf ABC News, er sei "untröstlich" über die Gewalttat. Zum Tatmotiv wollte er sich vorerst nicht äußern.

(APA/dpa/ag.)

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