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Prozess um Schießerei in Wiener Ravidass-Tempel

10.09.2010 - 16:08
Guru Sant Niranjan Dass als Zeuge vernommen© APA (Pfarrhofer)Guru Sant Niranjan Dass als Zeuge vernommen

Im Prozess um die tödliche Schießerei im Ravidass-Tempel vom 24. Mai 2009 ist am Freitagnachmittag im Wiener Straflandesgericht Guru Sant Niranjan Dass überraschenderweise als Zeuge vernommen worden. Der 68-Jährige war bei dem Anschlag in dem Tempel niedergeschossen und schwer verletzt worden. Von der Justiz wurde der Zeugenauftritt im Vorfeld nicht nach außen kommuniziert.

Obwohl die Vereinbarung hielt, hatten sich im Großen Schwurgerichtssaal zahlreiche Anhänger der Ravidass-Gemeinschaft, die sich beim Eintritt ihres schwer bewachten ranghohen Würdenträgers, der im Unterschied zu Guru Sant Rama Nand den Anschlag in dem Tempel überlebt hatte, von ihren Sitzen erhoben. Der 68-Jährige segnete die Anwesenden, ehe er sich mühsam zum Zeugenstand schleppte. Inhaltlich dürfte sein Auftritt keine wesentlichen Aufschlüsse gebracht haben. Der Guru beantwortete viele Fragen - so etwa nach seinem Geburtsdatum oder nach Differenzen zwischen seiner Glaubensrichtung und den Regeln der Sikh - mit "Ich weiß nicht".

Neben dem Angeschossenen wurde unter anderem auch Gurbhej Singh, der Vereinsobmann des Sikh-Tempels in Wien-Donaustadt, einvernommen. Er schwächte seine bisherigen, die Angeklagten teilweise belastenden Angaben ab. Staatsanwältin Nina Weinberger drohte dem 51-Jährigen daraufhin mit einem Verfahren wegen falscher Zeugenaussage. Er wollte von seiner früheren Aussage nichts mehr wissen, wonach er den Ravidass-Obmann wenige Tage vor dem geplanten Auftritt der beiden Gurus telefonisch gewarnt habe.

Hintergrund der Bluttat, deretwegen sich nun sechs Sikh wegen vollendeten und versuchten Mordes vor Geschworenen verantworten müssen, sollen religiöse Meinungsverschiedenheiten gewesen sein.

(APA)

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