Der 33-Jährige Mihailo J., der am 12. Jänner 2010 nach einer wilden Verfolgungsjagd in Wien-Ottakring aus einer Entfernung von 2,2 Meter dreimal auf einen Polizeibeamten geschossen hatte, ist am Donnerstag einstimmig wegen versuchten Mordes schuldig erkannt und zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem sprach das Schwurgericht dem Beamten Schadenersatz in der Höhe von 15.800 Euro zu.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidiger Alexander Philipp bat um Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. "Ich bekenne mich schuldig, dass ich den Polizisten verletzt habe. Aber ich bin kein Mörder. Das ist passiert im Stress", hatte der Angeklagte in seiner Einvernahme erklärt. Das Ganze hatte mit einer harmlosen Verwaltungsübertretung begonnen: Mihailo J. war bei Gelb über eine Ampel gerast und anschließend falsch abgebogen, was einer Funkstreife auffiel. Als der Serbe im Rückspiegel das Blaulicht wahrnahm, drückte er aufs Gaspedal und versuchte zu entkommen.
Der 33-Jährige war erst Tage zuvor festgenommen worden, weil er sich nach einer Verurteilung wegen Einbruchsdiebstahls und Gemeingefährdung illegal in Österreich aufhielt. Mihailo J. gelang es jedoch, aus der Schubhaft zu fliehen. Er fuhr daher mit Höchstgeschwindigkeit Richtung Ottakring und versuchte dann, zu Fuß zu entkommen. Der 27-jährige Inspektor Mario R. lief ihm hinterher.
"Es erfasste mich Panik. Da habe ich auf die Beine gezielt, damit ich dann flüchten kann.", schilderte der Angeklagte diese Szene. Der Beamte wurde zunächst im Knie getroffen. Ein zweiter Schuss ging in ein abgestelltes Auto. Als der Polizist zusammensackte, traf ihn ein weiteres Projektil in der Schulter, das die Lunge beschädigte und steckenblieb.
Mario R. musste notoperiert werden und wurde danach zehn Tage in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt. Das Projektil befindet sich noch immer in seinem Körper, sodass Spät- bzw. Dauerfolgen nicht ausgeschlossen werden können.
(APA)

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