Quelle: ZAMG

Kommission zur Causa Wilhelminenberg konstituiert

30.11.2011 - 13:11
Missbrauchsfälle in Kinderheim werden untersucht© APA (Schlager)Missbrauchsfälle in Kinderheim werden untersucht

Jene Kommission, die die mutmaßlichen Missbrauchsfälle im ehemaligen Wiener Kinderheim im Schloss Wilhelminenberg untersuchen wird, hat sich konstituiert. Sie besteht aus insgesamt vier Mitgliedern. Die Arbeit des Gremiums wird frühestens Ende 2012 abgeschlossen werden, wie die Leiterin der Kommission, die Richterin Barbara Helige, am Mittwoch betonte.

Untersucht werden unter anderem Vorwürfe, die ehemalige Bewohnerinnen des Heims öffentlich erhoben hatten. Laut den Frauen ist es im 1977 aufgelassenen Heim unter anderem zu Fällen von Kinderprostitution und Serienvergewaltigungen gekommen. Neben Helige werden sich nun die ehemaligen Senatspräsidentin des Obersten Gerichtshofes, Helge Schmucker, die Psychiaterin Gabriele Wörgötter und der Linzer Sozialhistoriker Michael John mit der Geschichte der umstrittenen Einrichtung befassen.

Untersucht werden laut Helige die Jahre 1948 bis 1977. "Die bestürzenden Vorwürfe schreien nach Aufklärung", betonte Helige. Es soll jedoch, wie sie hinzufügte, nicht nur um jene Missbrauchsfälle gehen, von denen zwei Frauen vor einigen Wochen in Interviews berichtet hatten. Auch "nicht ganz so furchtbare" Fälle von Gewalt sollen geprüft werden.

Eine Beurteilung, ob tatsächlich erzwungene Prostitution, Massenvergewaltigungen oder gar das Verschwinden eines Kindes vorgekommen sind, wagte die Kommission zum Auftakt noch nicht. Dass es andere Formen "schwerer Übergriffe" gegeben habe, davon sei jedoch auszugehen, hieß es. Helige verwies etwa auf die bereits in den 1970er Jahren erschienene Untersuchung der späteren SPÖ-Nationalratsabgeordneten Irmtraut Karlsson. Der Bericht wird von der Kommission für ihre Arbeit herangezogen werden.

Vorgesehen sind umfangreiche Recherchen, also etwa die Sichtung von Unterlagen bzw. Zeitdokumenten. Auch Interviews mit Zeitzeugen sollen geführt werden. Nicht nur frühere Erzieher, sondern auch sonstige Bedienstete wie etwa Gärtner werden ersucht, über ihre Erfahrungen am Wilhelminenberg zu berichten.

Offen ist noch, zu wie vielen unmittelbar Betroffenen es Kontakt geben wird. "Es sind uns die Opfer bisher noch nicht bekannt", erklärte Helige heute. Die Berichte der früheren Heiminsassen liegen, abgesehen von den in den Medien verbreiteten Schilderungen, derzeit lediglich der Opferschutzorganisation Weißer Ring vor. Dass diese einfach an die Kommission weitergereicht werden, ist laut Helige nicht geplant. Jedoch werde man den Weißen Ring ersuchen, die Betroffenen zu fragen, ob sie dies möchten bzw. ob sie vor der Kommission aussagen wollen.

(APA)

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