Quelle: ZAMG

Nach Wiener Mafia-Mord: Fieberhafte Suche nach Schützen

22.12.2018 - 16:48
Nach dem Verdächtigen wird intensiv gefahndet© APANach dem Verdächtigen wird intensiv gefahndet

Nach der Schießerei in der Wiener Innenstadt mit einem Toten und einem lebensgefährlich Verletzten hat die Wiener Landespolizeidirektion am Samstag einen mafiösen Hintergrund der Bluttat bestätigt. "Zum jetzigen Stand dürfte die Tat im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität im Bereich des Westbalkans stehen", teilte Polizeisprecher Daniel Fürst in einer Presseaussendung mit.

Die fieberhafte Suche nach dem Schützen, von dem eine Personsbeschreibung vorliegt, läuft. Der Unbekannte soll circa 30 Jahre alt und rund 185 Zentimeter groß sein. Er trug einen Drei-Tages-Bart, eine dunkle Jacke und hatte eine Kapuze über den Kopf gezogen. Er soll in slawischer Sprache gesprochen haben. Das Landeskriminalamt hat länderübergreifende Fahndungsmaßnahmen in die Wege geleitet.

Die Polizei korrigierte hinsichtlich der Opfer die in Medien kursierenden Altersangaben. Der getötete Vladimir R. war demnach 32, sein schwer verletzter Begleiter 23 Jahre alt. Die beiden hatten Freitagmittag mit einem dritten Mann in einem Lokal am Lugeck in der Innenstadt gespeist. Als sie gegen 13.30 Uhr das Lokal verließen, trat ihnen ein bewaffneter Mann gegenüber und gab laut Polizei mehrere Schüsse auf die drei Männer ab. Anschließend flüchtete der Schütze zu Fuß.

Der unverletzt gebliebene 29-Jährige konnte von Polizisten noch am Tatort angehalten werden. Er wurde in weiterer Folge als Zeuge befragt. Wie Polizeisprecher Fürst im Gespräch mit der APA erläuterte, muss er nun formell als Zeuge vernommen werden. Angaben zu seiner Identität und in welcher Beziehung er zu den Niedergeschossenen stand, machte die Polizei nicht.

Ein von Augenzeugen der Bluttat ursprünglich beschriebenes Fluchtfahrzeug konnte im Zuge der Fahndung noch am Freitag ausgemacht, der Lenker angehalten werden. Es stellte sich heraus, dass weder der Pkw noch die Insassen im Zusammenhang mit dem Verbrechen standen.

Die Polizei bat die Medien darum, die laufenden Ermittlungen nicht durch etwaige Spekulationen zu gefährden. Berichte, denen zufolge der angeschossene 23-Jährige in einem Wiener Spital inzwischen seinen Verletzungen erlegen sei, dementierte Fürst. Der Verletzte, der von mehreren Kugeln getroffen worden sein dürfte, sei am Leben, versicherte Fürst. Der Zustand des Mannes soll sich im Verlauf des Samstags stabilisiert haben.

Offenbar keine Überlebenschance hatte dagegen Vladimir R. Der 32-Jährige dürfte mit einem Kopfschuss und einem Durchschuss im Oberkörperbereich regelrecht hingerichtet worden sein. Er hatte sich erst seit wenigen Tagen wieder auf freiem Fuß befunden. Medienberichten zufolge, die sich auf montenegrinische Polizeiquellen beriefen, war der Mann am 7. Dezember aus einem Gefängnis entlassen worden, in dem er sich wegen eines Bombenanschlags befunden haben soll. Mitte der vergangenen Woche soll er sich dann von Montenegro auf den Weg nach Wien gemacht haben.

Beim zweiten Opfer der Schießerei, einem ebenfalls aus Montenegro stammenden 23-Jährigen, soll es sich um einen Sohn des einstigen Bosses der montenegrinischen Mafia in der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad handeln. Sowohl der Vater wie auch ein Bruder des Opfers waren bei Mafiaabrechnungen in Novi Sad bzw. Belgrad 1999 bzw. 2015 ums Leben gekommen, gab das Internetportal "Analitika" bekannt.

Laut serbischen und montenegrinischen Medien handelt es sich bei den zwei Niedergeschossenen um Angehörige des mafiösen Kavacki-Clans, der seinen Namen nach einem Stadtviertel von Kotor - eine mediterrane Handels-und Hafenstadt an der Adria-Küste - trägt. Der Clan führt bereits seit Jahren einen regelrechten Krieg mit dem ebenfalls nach einer Kotor-Siedlung benannten Skaljarski-Clan. Hintergrund der blutigen Fehde soll ein Streit um Drogen-Geschäfte sein. Serbischen Medienberichten zufolge soll einer der beiden Clans Ende 2014 rund 200 Kilo Kokain aus Südamerika in einer Wohnung im spanischen Valencia gebunkert haben. Davon hätten Mitglieder des anderen Clans Kenntnis erlangt, die sich zum Diebstahl des Suchtgifts entschlossen hätten. Kurz danach starteten die blutigen Abrechnungen, zuerst in Valencia, danach in Montenegro und in Serbien.

(APA)

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