Quelle: ZAMG

13 Jahre Haft für Schüler wegen Mordes an Siebenjähriger

19.12.2018 - 23:49
Es herrschten strengste Sicherheitsvorkehrungen in und um das Gebäude© APAEs herrschten strengste Sicherheitsvorkehrungen in und um das Gebäude

Weil er am 11. Mai 2018 in einer Gemeindebau-Anlage in Wien-Döbling ein sieben Jahre altes Nachbarsmädchen getötet hat, ist am Donnerstagabend ein 16 Jahre alter Schüler am Landesgericht wegen Mordes in erster Instanz zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Zusätzlich wurde er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Die Geschworenen folgten mehrheitlich dem Gutachten des von der Staatsanwaltschaft beauftragten Psychiaters und stuften den 16-Jährigen mit 7:1 Stimmen als zurechnungsfähig und damit schuldfähig ein. Hinsichtlich der Einweisung in den Maßnahmenvollzug verwies der Vorsitzende auf die beiden psychiatrischen Gutachten. Diese hätten übereinstimmend festgestellt, dass der 16-Jährige, bei dem mittlerweile eine voll ausgebildete Schizophrenie vorliegen soll, "gefährlich, wenn nicht hochgefährlich" sei.

Die von Rechtsanwalt Nikolaus Rast vertretenen Angehörigen der Getöteten bekamen 5.000 Euro zugesprochen. Der 16-Jährige wirkte bei der Urteilsverkündung ruhig und gelassen und erklärte mit fester Stimme: "Ich habe das Urteil verstanden." Während der gesamten Verhandlung, die unter bisher nie da gewesenen Sicherheitsvorkehrungen über die Bühne gegangen war, waren die von der Justiz und dem Verfassungsschutz befürchteten Zwischenfälle ausgeblieben.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidigerin Liane Hirschbrich erbat Bedenkzeit, Staatsanwältin Monika Gansterer gab vorerst keine Erklärung ab.

Die Siebenjährige hatte am 11. Mai den Angeklagten und dessen jüngeren Bruder - wie oft zuvor in der Vergangenheit - besucht. Das Mädchen spielte mit dem kleinen Bruder auf der Playstation, der 16-Jährige gab ihr danach ein Eis, ehe er sie - wie die Staatsanwältin ausführte - "mit den Händen am Hals gepackt und gewürgt hat". Die Siebenjährige habe gehustet, der Angeklagte habe darauf "beschlossen, ihr den Hals abzuschneiden", sagte die Staatsanwältin. Daher habe er das Mädchen ins Badezimmer bugsiert, in die Dusche gestellt, aus der Küche ein Messer geholt, das Mädchen mit der linken Hand fixiert und mit der anderen mit seiner Waffe "Sägebewegungen" ausgeführt. Ein Halsschnitt, der den Halswirbel durchtrennte, führte zum Tod.

Der Gymnasiast, der zu seiner Sicherheit mit einer Schutzweste ausgestattet war, gab die Tat zu. Sie wäre ihm aber von inneren Stimmen befohlen worden, die er schon seit Jahren höre. Darüber hinaus nehme er auch Personen wahr, die - wie er nach seiner Festnahme erfahren habe - in Wahrheit gar nicht existieren.

Die Verhandlung war von einem "Gutachterstreit" geprägt. Der von der Staatsanwaltschaft nominierte Psychiater Peter Hofmann bescheinigte dem Angeklagten erhebliche Zwangsstörungen, eine Neigung zu Selbstüberhöhung und eine narzisstisch-schizoide Persönlichkeitsstörung. Die schizophrene Erkrankung habe sich im Tatzeitpunkt aber erst "im Vorstadium" befunden, sagte Hofmann. Erst mehrere Wochen nach der Tat habe sich "ein Vollbild der Schizophrenie" herausgebildet, was Hofmann auf die Inhaftierung und die damit verbundenen Lebensumstände des Jugendlichen zurückführte.

Der vom Gericht bestellte Kinder- und Jugendneuropsychiater Werner Gerstl sah das anders. Er war überzeugt, dass der Angeklagte im Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war. Er habe schon mit acht oder neun Jahren zu halluzinieren begonnen. Im heurigen Februar und März wären die inneren Stimmen "immer mordlustiger" geworden. Am Ende setzte sich bei den Geschworenen Hofmanns Expertise durch.

(APA)

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