Quelle: ZAMG

Wetterlage in Kärnten entschärft sich langsam

30.10.2018 - 17:44
Vorsichtiger Optimismus in Lavamünd© APAVorsichtiger Optimismus in Lavamünd

Das Unwetter, das in der Nacht auf Dienstag vor allem über Südösterreich gezogen ist, hat eine Spur der Verwüstung gezogen. Am Dienstagabend entschärfte sich die Situation in Kärnten langsam. Auch in Tirol beruhigte sich die Lage langsam. In Salzburg zerstörte der Föhnsturm Teile der Festung Hohensalzburg.

Die Bundesregierung kündigte nach den Unwetter- und Hochwasserschäden in Teilen Österreichs schnelle und unbürokratische Hilfe an. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wollte sich noch am Dienstag selbst ein Bild von der Lage in den betroffenen Gebieten machen. Kurz begibt sich in das vom Hochwasser betroffene Kärnten und trifft dort den Landesfeuerwehrkommandanten und die Landespolizeidirektorin.

In Kärnten entschärfte sich nach Starkregen und Föhnsturm die Wetterlage am Dienstagabend. Wie Katastrophenschutz-Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) auf APA-Anfrage sagte, könne man aber noch immer keine gänzliche Entwarnung geben - vor allem wegen der Lage in Lavamünd, wo die Wassermassen aus ganz Kärnten abfließen.

In Oberkärnten, in den Bezirken Hermagor und Spittal an der Drau waren am Abend immer noch einige Straßen gesperrt. Durch Murenabgänge, Windwürfe und Überschwemmungen wurden teils schwere Schäden angerichtet, die Ortschaft Rattendorf im Bezirk Hermagor wurde fast vollständig überflutet. Dennoch ließ sich beim Blick auf die Pegelstände der Flüsse Gail und Möll eines sagen: Langsam, aber doch sanken sie.

Bei den Aufräumarbeiten gab es am Dienstagvormittag auch einen Verletzten. Ein 37-jähriger Mitarbeiter der Kärnten Netz GmbH wollte in Kötschach-Mauthen eine Stromleitung reparieren. Als er dazu auf ein Dach kletterte, gab ein Schneefänger nach und der Mann stürzte aus sechs Metern Höhe auf den asphaltierten Boden. Er wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber ins Klinikum Klagenfurt geflogen.

In Osttirol entspannte sich die Lage indes weiter. Die Pegelstände der Bäche und Flüsse sanken deutlich und auch Regen und Wind ließen nach. Die Felbertauernstraße (B108) soll noch am Nachmittag wieder für den Verkehr freigegeben werden und die Defereggenstraße (L25) war wieder bis Ladstatt befahrbar. Laut Angaben des Landes gab es in Osttirol am Nachmittag wegen unterspülter Stromleitungen und Baumstürzen auf Stromleitungen noch in 13 Gemeinden Störungen bei der Stromversorgung. Zwischen Innsbruck und Matrei hatten mehrere umgestürzte Bäume die Oberleitung der Brennerbahnstrecke beschädigt. Diese musste deshalb bis voraussichtlich Dienstagabend gesperrt werden. Der durch das Unwetter entstandene Schaden konnte vorerst noch nicht beziffert werden.

In Südtirol war in der Zwischenzeit der Zivilschutzstatus um eine Stufe von "Rot" auf "Orange" herabgesetzt worden, "weil keine akute Gefahr mehr für die Bevölkerung besteht", teilte das Land mit. Am schlimmsten betroffen war das Gebiet der Drau. Schäden größeren Ausmaßes waren im Einzugsgebiet der Gader und des Grödnerbaches zu verzeichnen, geringe Schäden an Eisack und Rienz und fast keine an der Etsch.

Eine einzige starke Windböe des Föhnsturmes dürfte für die große Zerstörung auf der Festung Hohensalzburg verantwortlich gewesen sein. "Der finanzielle Schaden beträgt mehrere Hunderttausend Euro", sagte Burgverwalter Bernhard Heil. Insgesamt rechnete die Wiener Städtische Versicherung mit Schäden in einer Höhe von fünf Millionen Euro durch den Sturm.

Trotz der schweren Sturmschäden vom Dienstag ist die Festung am Mittwoch wieder für Besucher geöffnet. Allerdings ist die Auffahrt nur mit der Festungsbahn möglich. Der Fußweg auf das Wahrzeichen, der Burghof und der Zugang zur St. Georgs-Kirche bleiben aus Sicherheitsgründen gesperrt. Wie das Land am Nachmittag mitteilte, können die Innenräume jedoch uneingeschränkt besichtigt werden.

"Der Süden hat in den vergangenen vier Tagen so viel Niederschlag abbekommen wie Wien in einem ganzen Jahr", sagte ein Meteorologe der ZAMG. An manchen Messstellen wurden Spitzenwerte von bis zu 600 mm gemessen. Und nach einem Zwischenhoch am Mittwoch wird es dort auch am Donnerstag und Freitag neuerlich regnen. "Nicht so stark wie zuletzt, aber angesichts der bereits durchnässten Böden ist jeder Tropfen einer zu viel." Gleichzeitig zu dem starken Regen hat der Südföhn an der Alpennordseite für große Windspitzen, auch im Osten Österreichs, gesorgt. 174,6 km/h wurden am Brunnenkogel in Tirol gemessen. 159,1 waren es am Feuerkogel in Oberösterreich. Sogar am Semmering/Sonnwendstein wurden enorme 155,5 km/h verzeichnet.

In Niederösterreich verzeichnete die Feuerwehr aufgrund des Sturms 130 Einsätze. Der Schwerpunkt lag im Bezirk Neunkirchen, wo auch die Südbahnstrecke bis mittags komplett gesperrt war. Insgesamt waren 1.500 Mitglieder von 90 Feuerwehren mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt, sagte Franz Resperger vom Landeskommando. Vorübergehend waren in der Nacht auf Dienstag laut EVN 3.000 Kunden ohne Strom.

Vor allem im Süden des Landes waren Bäume auf Leitungen und Trafostationen gestürzt, am Vormittag war der Strom noch in knapp 800 Haushalten ausgefallen. Am späten Nachmittag waren noch ein paar Dutzend Kunden im Mariazellerland betroffen. Seit Montagabend standen mehr als 150 Störungsmonteure der Netz Niederösterreich im Einsatz, berichtete EVN-Sprecher Stefan Zach. Es gebe "sehr viele Schadensstellen", die teilweise auch schwer erreichbar seien. "Wir hoffen, dass wir bis Einbruch der Dunkelheit alle Kunden wieder mit Strom versorgen können", sagte Zach. Die Reparatur- und Erneuerungsarbeiten werden laut dem Sprecher noch einige Wochen dauern.

Einige wenige Zwischenfälle gab es laut Resperger in den Bezirken St. Pölten, Amstetten und Baden. In Kottingbrunn (Bezirk Baden) hatte sich aufgrund des Sturms ein etwa 500 Quadratmeter großes Blechdach von einer Lagerhalle abgelöst und drohte abzustürzen. Mitglieder dreier Feuerwehren schnitten die Bedeckung am Dienstagnachmittag in mehrere Stücke und entfernten die Blechteile, teilte das Bezirkskommando in einer Aussendung mit. Auch einige blockierte Straßen mussten freigeräumt werden. "Die Lage hat sich mittlerweile in Niederösterreich beruhigt", teilte Resperger am Nachmittag mit.

(APA)

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