Quelle: ZAMG

Hochwasser nach Unwettern in Kärnten

28.10.2018 - 16:58
Vor allem der Raum Ferlach ist vom Unwetter betroffen© APAVor allem der Raum Ferlach ist vom Unwetter betroffen

Durch den anhaltend starken Regen in Kärnten sind am Sonntag die Pegel der Flüsse Drau, Möll und Gail angestiegen. Da der Höhepunkt aber erst in der Nacht von Montag auf Dienstag erwartet wird, haben sich das Land Kärnten und die Einsatzkräfte gewappnet. Die Stauseen wurden teilweise auf bis zu nur noch vier Meter Wassertiefe gesenkt und die Krisenstäbe wurden einberufen.

Laut den Experten deuten die Prognosen auf ein 30- bis 100-jährliches Hochwasser (HQ 30 - HQ 100) hin. Die Staubecken wurden maximal abgesenkt: "Unklar ist aber, wieviel wir mit den Maßnahmen auffangen werden können", sagte Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) am Sonntag nach einer Sitzung des Koordinationsausschusses in Klagenfurt. Die einberufenen Krisenstäbe stünden bereit. Bis Sonntagabend war der Durchfluss der Gail bereits an mehreren Messstellen auf das Niveau eines fünf- bis zehnjährlichen Hochwassers angestiegen. Beim Oberlauf der Möll lagen die Werte Sonntagabend beim Stand eines ein- bis fünfjährlichen Hochwassers.

Vor allem entlang der Drau und der Möll wird die Hochwassergefährdung mit hoch beziehungsweise sehr hoch eingeschätzt. Zu den drohenden Überflutungen kam in der Nacht auf Sonntag ein nicht in dieser Intensität erwarteter Föhnsturm im Bereich Ferlach dazu. Versperrte Straßen, Stromausfälle sowie Probleme mit der Wasserversorgung waren die Folge.

"Wir treffen alle nötigen Vorkehrungen, um die drohenden Schäden so gering wie möglich zu halten", sagte Fellner und meinte weiter: "Noch sind es Prognosen, die sich ändern können. Es soll keine Panik entstehen - wir wollen aber zur Sicherheit der Kärntner Bevölkerung bestens vorbereitet sein." Markus Hudobnik, Katastrophenschutzbeauftragter des Landes Kärnten, schilderte: "Die nötige Absenkung der Drau-Stauseen sind durchgeführt worden. Das große Ziel muss es jetzt sein, den Durchlauf der Wassermassen in Lavamünd zu reduzieren, um die Schäden möglichst gering zu halten."

Bereits Samstagabend hat der Verbund die Wasserpegel in den Stauseebecken in Edling, Ferlach und im Bereich der Annabrücke auf Niedrigststand gesenkt. Auch mit Slowenien wurde laut Hudobnik bereits am Samstag Kontakt aufgenommen. Berechnungen hatten ergeben, dass der Durchfluss der Drau aufgrund des intensiven Regens am Montag und Dienstag auf 2.000 bis 2.400 Kubikmeter pro Sekunde anwachsen werde.

"Wir bitten die Bevölkerung der betroffenen Gebiete entlang der Gail, der Möll und vor allem der Drau, wachsam zu sein. Achten Sie auf die Informationen aus Radio und Fernsehen, und kooperieren Sie, wenn nötig, bestmöglich mit den Blaulichtorganisationen die jetzt schon in Alarmbereitschaft stehen", appellierte Fellner. "Das Stauseebecken in Edling wurde auf vier Meter abgelassen. Ein Stand, den wir noch nie hatten und der natürlich auch Konsequenzen auf den Fischbestand und andere Dinge haben wird", sagte Völkermarkts Bezirkshauptmann Gert Klösch. Er betonte: "Das Gut und die Gesundheit der Bevölkerung in Lavamünd muss hier aber oberste Priorität für uns haben", und sagte weiter: "Aufgrund der derzeitigen Prognosen rechnen wir damit, dass die Drau in Lavamünd über die Ufer treten wird. Erstmaßnahmen zum Objektschutz wurden bereits gesetzt. Weitere Entscheidungen, auch über mögliche Evakuierungen im Bereich des Drauspitzes, werden anhand der Entwicklung der Situation getroffen."

Während in Oberkärnten punktuell große Hochwasser erwartet werden, werden die größten Schäden derzeit in Lavamünd befürchtet: Schon ab einem Durchfluss von 1.450 Kubikmeter wird Lavamünd überschwemmt. "Wir hoffen aufgrund der Senkung der Stauseebecken auf einen Wert von 1.800 Kubikmetern zu kommen. Mit überschwemmten Kellern und überfluteten Straßen muss also in jedem Fall gerechnet werden", warnte Fejan.

Auch in Salzburg führten große Regenmengen am Sonntag im Pinzgau, Pongau und Lungau zu hohen Pegelständen. In Großarl, Bad Hofgastein und Rauris wurde am Vormittag die Meldegrenze erreicht. Im Laufe des Sonntags und auch Anfang der Woche stehen die Fließgewässer im Süden Salzburgs unter "strenger Beobachtung", wie der Hydrographische Dienst des Landes mitteilte.

"Ursache für die auffallend erhöhte Wasserführung sind vor allem die Niederschlagsfelder in Oberkärnten, die von Süden her vereinzelt über den Alpenhauptkamm reichen und teils ergiebigen Regen bringen", sagte Harald Huemer vom Hydrographischen Dienst. Laut Experten können die Pegelstände von Rauriser, Gasteiner und Großarler Ache im Laufe des Sonntags die Warngrenze erreichen. Die hohe Schneefallgrenze von rund 2.000 Metern könne dabei zu schwer vorhersagbaren zusätzlichen Niederschlägen führen. In den kommenden zwei Tagen sei speziell im Lungau und Oberpinzgau mit viel Regen zu rechnen.

(APA)

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