Quelle: ZAMG

Spektakulärer Flugzeug-Transport für Grazer Hoteldach

05.04.2018 - 13:48
Der 122-Tonnen-Transport querte Graz© APADer 122-Tonnen-Transport querte Graz

Pünktlicher als so mancher Charterflug ist Donnerstagfrüh die Iljuschin IL 62 aus dem niederösterreichischen Heidenreichstein in Graz angekommen. Der Sondertransport mit einer Länge von 70 Metern benötigte von der Grazer Nordeinfahrt bis zum Ziel rund drei Stunden und wurde von zahlreichen Schaulustigen begleitet. Beim Abladen des Flugzeugrumpfs auf sein Zwischenlager kam es aber zu Verzögerungen.

Zwei Nächte lang war die ehemalige Präsidentenmaschine der Tschechoslowakei zum neuen Besitzer, dem Novapark Hotel, unterwegs. In der ersten Nacht schaffte es der überlange Transport bis Baden und hatte schon bis dort über Bundesstraßen einige Hindernisse zu überwinden: "Wir mussten Kreisverkehre und eine Eisenbahnkreuzung umbauen", schilderte Franz Sucek von der beauftragten Firma Prangl.

Millimeterarbeit war schon in Niederösterreich angesagt, aber so richtig eng wurde es Donnerstagfrüh in Graz. Kurz vor 1.00 Uhr kam der Tross wie geplant bei der nördlichen Stadteinfahrt an. Zunächst ging es noch flott über die vierspurig ausgebaute Wiener Straße dahin, doch bereits an der Kreuzung mit dem Kalvariengürtel musste der fünf Meter breite und viereinhalb Meter hohe Transport im wahrsten Sinne des Wortes ausscheren. Das Linksabbiegemanöver war selbst auf der groß ausgebauten Kreuzung nur mit einer Fahrt über Verkehrsinseln möglich - das Gras streifte dabei fast am Bauch des Flugzeugrumpfes.

Schon wenige hundert Meter im Schritttempo weiter wartete gegen 2.00 Uhr die nächste Kreuzung. Für das Spektakel hatten sich Dutzende Zaungäste versammelt und ihre Mobiltelefone gezückt. Für die zweite Kreuzung hatten im Vorfeld bereits ein Lichtmast sowie eine Ampel vorübergehend demontiert werden müssen. Dennoch blieb das Manöver eng: Der vordere Auflieger musste auf den Gehsteig und das Rahmengerüst rund um den Flugzeugrumpf bewegte sich weniger als einen halben Meter an der Hausmauer einer Tierarztpraxis vorbei hinein in die Augasse. Als auch diese Kreuzung ohne Verzögerung geschafft war, ging es zwar nur noch geradeaus, aber über Verkehrsinseln hinweg und zwischen parkenden Autos, Verkehrszeichen und Bäume hindurch.

Mit dem Zwitschern der ersten aufwachenden Vöglein "landete" der große Vogel ohne Flügel wie geplant kurz vor 4.00 Uhr hinter dem Hotel Novapark. Dort kam es dann aber doch zu Verzögerungen beim Abladen: Ursprünglich avisierte 30 Minuten verlängerten sich auf eineinhalb Stunden. Schuld daran war die zuvor nicht genau bekannte Gewichtsverteilung.

Beim Aufladen in Niederösterreich waren zwei Kräne verwendet worden, für das Abladen in Graz dagegen nur einer, weshalb die genaue Gewichtsverteilung nicht bekannt war. Um auf Nummer sicher zu gehen, schauten die Logistik-Experten genau, justierten noch etwas nach und kurz vor 8.45 Uhr hob der flügellose Rumpf schließlich von den Transportrollen ab. Der Kran hievte den "Flieger" unter gespannten Blicken von rund drei Dutzend Schaulustigen erst an, um ihn danach in einer Höhe von etwa zehn Metern um 90 Grad zu drehen.

Bei dem Wendemanöver passierte der Rahmen, der für den Transport rund um die Maschine gebaut worden war, nur knapp die Fassade eines benachbarten Bürogebäudes. Zudem ragte der Rumpf nach der Drehung quer über die Augasse. Der Verkehr musste vorübergehend eingestellt werden.

Kurz vor 9.00 Uhr setzte der Kran den Rumpf am Zwischenlager, einem Sportplatz hinter dem Hotel, auf. Noch am Donnerstag soll der Kran seinen Standort wechseln, damit er am Freitag den Rumpf zu den anderen Flugzeugteilen auf das Parkdeck des Hotels heben kann.

Der gesamte Transport wog laut Sucek rund 122 Tonnen, wobei der rund 50 Meter lange Rumpf mitsamt Rahmen etwa 54 Tonnen ausmachte. Am Parkdeck in etwa sieben Meter Höhe wird das Flugzeug in den kommenden Wochen wieder zusammengebaut, denn Flügel und andere Teile wurden extra transportiert. Die komplette Maschine soll in drei bis vier Wochen mit einem 500-Tonnen-Kran auf das Hoteldach in etwa 25 Meter Höhe gehievt werden.

Wenige Stunden nach der Ankunft des Flugzeugrumpfes ließen dann Geschäftsführer Helmut Neukam und Direktor Ricardo Nickel die Katze aus dem Sack: Aus der Maschine wird eine "Eventlocation der besonderen Art" am Dach des Hotels. Die Eröffnung ist für Anfang Juli geplant. Das "Flieger"-Projekt kostet dem Hotel bis zu zwei Millionen Euro.

Neukam lobte nach der erfolgreichen Überstellung des rund 50 Meter langen Rumpfs der Maschine die Logistiker von Prangl: "Sie haben Maßarbeit geleistet - sowohl bei der Geschwindigkeit als auch bei den engen Stellen. Manchmal ging es um nur fünf Zentimeter." Der Hotel-Geschäftsführer und -Eigentümer wirkte nach zwei Nächten ohne Schlaf gelöst: "Die Mühen in den letzten Monaten haben sich bezahlt gemacht."

Apropos zahlen: Allein der Abbau der von 2000 bis 2013 im niederösterreichischen Heidenreichstein als Restaurant dienenden Maschine sowie der Transport nach Graz kosteten zusammen rund 500.000 Euro. Inklusive Zusammenbau, Installation am Dach, neuem Anstrich und Inventar wie etwa eine Bar wird das Projekt 1,5 bis zwei Millionen Euro verschlingen, rechnete Neukam vor. Und dabei ist das Flugzeug nur ein Teil eines größeren Umbaus beim Hotel in Graz-Gösting: Insgesamt investiert der Betrieb rund sieben Millionen Euro und wird künftig zusätzliche Zimmer, Kongressräumlichkeiten und Parkdecks bieten.

(APA)

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