Quelle: ZAMG

Versuchte Bestimmung zum Mord - Wiener Anwalt in U-Haft

30.03.2018 - 17:22
Schwere Vorwürfe: Der Anwalt wurde festgenommen© APA (Gindl)Schwere Vorwürfe: Der Anwalt wurde festgenommen

Das Wiener Landesgericht für Strafsachen hat am Freitag über einen Rechtsanwalt wegen versuchter Bestimmung zum Mord die U-Haft verhängt. Das teilte Gerichtssprecherin Christina Salzborn der APA mit. Der Jurist war am Mittwochabend von Wega-Beamten in seiner Wiener Wohnung festgenommen worden. Er soll in einem gegen ihn anhängigen Betrugsprozess einem Zeugen nach dem Leben getrachtet haben.

Gegen den Anwalt läuft seit vergangenem Oktober im Grauen Haus eine Verhandlung wegen schweren Betrugs. Ihm wird vorgeworfen, mit gefälschten Testamenten auf das Erbe eines ehemaligen österreichischen Botschafters in Athen sowie ein Zinshaus in Hernals aus gewesen zu sein. Wären die Vorhaben geglückt, wären die rechtmäßigen Erben um mehr als 3,7 Millionen Euro gebracht worden. Der Anwalt hat die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen stets bestritten.

Ein Mann, den der Anwalt als angeblichen Testamentszeugen ins Spiel gebracht hatte, um an die Verlassenschaft des Diplomaten zu kommen, gab während der Ermittlungen aber zu, er wäre nie in der Wohnung des Botschafters gewesen. Er könne daher auch nicht bezeugen, wann und ob dieser überhaupt seinen Letzten Willen unterschrieben hatte. Auf diesen Zeugen soll der angeklagte Jurist einen bulgarischen Automechaniker angesetzt haben, indem er diesem auftrug, den Mann zu überfahren oder allenfalls dessen Tochter zu entführen.

Der Verteidiger des Anwalts, Rudolf Mayer, wies das im Gespräch mit der APA zurück: "Er wird zu Unrecht belastet." Sein Mandant habe sich mit dem Mechaniker, den er seit 20 Jahren kenne, zerstritten, worauf der Mann - offenbar um sich zu revanchieren - mit dem angeblichen Mordkomplott dahergekommen sei. Es wäre aus Sicht des Anwalts bar jeder Vernunft, gegen den Zeugen vorzugehen, gab Mayer zu bedenken: "In der laufenden Verhandlung hat mein Mandant inzwischen dessen Angaben sogar bestätigt."

Möglicherweise hat der Jurist den Mordauftrag sogar auf die für sein Betrugsverfahren zuständige Staatsanwältin erstreckt. "Die Verhandlung läuft seit Monaten. Was hätte mein Mandant davon, wenn er sie jetzt umbringen lässt?", bemerkte Mayer dazu. Die vorerst für 14 Tage verhängte U-Haft bezieht sich laut Landesgericht vorerst nur auf die versuchte Anstiftung zum Mord am Zeugen. Inwieweit die Pläne des Anwalts gegen die Staatsanwältin konkretisiert waren, ist Gegenstand der angelaufenen Ermittlungen.

Fest steht, dass der Automechaniker den Namen der Staatsanwältin und des Zeugen nennen konnte, als er sich an die Polizei wandte. Der inhaftierte Anwalt hätte praktisch jedem in seinem Umfeld von seinem Betrugsverfahren erzählt, meinte dazu Verteidiger Mayer: "Mein Mandant ist von ungeheurer Redseligkeit beseelt."

(APA)

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