Quelle: ZAMG

2017 wurden fünf Prozent weniger Straftaten angezeigt

22.03.2018 - 16:08
Minister Kickl bei der Präsentation der Kriminalstatistik© APA (EXPA)Minister Kickl bei der Präsentation der Kriminalstatistik

In Österreich sind im Vorjahr rund 27.000 Straftaten weniger angezeigt worden als im Jahr 2016. Damit gab es einen Rückgang um 5,1 Prozent auf 510.536 Fälle, wurde am Donnerstag bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2017 in Wien bekanntgegeben. Das ist die geringste Anzeigenzahl der vergangenen zehn Jahre. Deutlich um rund 28 Prozent gestiegen sind jedoch die Cybercrime-Delikte.

Knapp mehr als die Hälfte (50,1 Prozent) der angezeigten Straftaten wurden geklärt, im Jahr 2016 waren es mit 45,9 Prozent noch deutlich weniger gewesen. Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sprach von einer "Rekordaufklärungsquote". Der positive Trend der vergangenen Jahre setzte sich zwar fort, die Quote war jedoch bereits Ende der 1990er-Jahre mehrmals bei über 50 Prozent gelegen.

Großes Augenmerk legte Kickl bei der ersten Präsentation einer Kriminalstatistik in seiner Amtszeit auf den Anteil der fremden Tatverdächtigen. Die Anzahl der inländischen Beschuldigten an der Gesamtkriminalität stieg gegenüber 2016 um 0,1 Prozent auf 164.818 ausgeforschte Tatverdächtige. Bei den fremden Tatverdächtigen gab es einen Rückgang um 0,2 Prozent auf 105.812. Damit waren 60,9 Prozent der ermittelten Personen Österreicher. Unter den ausländischen Tatverdächtigen waren 10.386 Rumänen, gefolgt von 10.017 Deutschen, 9.518 Serben und 7.011 afghanischen Staatsbürgern.

Bei Betrachtung der absoluten Veränderung der Tatverdächtigen nach Nation, ist die Zahl der tatverdächtigen Afghanen 2017 am stärksten gestiegen - von 5.973 im Jahr 2016 auf 7.011 im Vorjahr, erläuterte Kickl. Unterteilt nach Aufenthaltsstatus gab es bei den Asylwerbenden den größten Rückgang, mehr als 20.000 Tatverdächtige seien aber "aus meiner Sicht absolut zu hoch", sagte Kickl. Er forderte, "dem Missbrauch des Asylrechts noch stärker entgegenzutreten". Wer Straftaten begehe, müsse seinen Aufenthaltsstatus verlieren. Nach Verbüßung einer Haftstrafe solle die Schubhaft verhängt werden.

"Bei den begangenen Straftaten von fremden Tatverdächtigen handelt es sich in erster Linie um Diebstahlsdelikte, Körperverletzungen und um den Verstoß gegen das Suchtmittelgesetz, wobei bei letzterem der prozentuell größte Anstieg zu verzeichnen ist", sagte Kickl. Zu Drogendelikten wurden am Donnerstag jedoch keine Zahlen präsentiert, sondern auf die Veröffentlichung des Suchtmittelberichts in rund zwei Monaten verwiesen. Die Zahl der identifizierten geschleppten Personen ging von 27.850 deutlich auf 8.993 zurück. 222 Schlepper wurden ausgeforscht - nach 249 im Jahr 2016. Zusätzlich wurden 18.550 illegal eingereiste oder aufhältige Personen registriert.

16.804 Anzeigen wurden im Vorjahr in Sachen Cybercrime erstattet, 13.103 waren es 2016. Im Schnitt 46 Mal pro Tag mussten sich die Ermittler mit Straftaten beschäftigen, die an IT-Systemen oder Daten begangen oder mithilfe des Internets verübt wurden. Der Grund für die starke Zunahme liege vor allem bei der Ransomware, erläuterte die Generaldirektorin für die Öffentliche Sicherheit, Michaela Kardeis. Mittlerweile gebe es 150 Varianten von Verschlüsselungstrojanern, mit denen der Zugriff auf Computer blockiert und Geld erpresst wird.

Die angezeigten Fälle von Kinderpornografie stiegen von 681 im Jahr 2016 auf 733 im Vorjahr, die Zahl der Anzeigen wegen Groomings - der Anbahnung von sexuellen Kontakten zu Kindern - kletterten von 80 auf 106. Nach der Neueinführung des Tatbestandes Cybermobbing hatte es im Jahr 2016 erstmals 302 Anzeigen gegeben, im Vorjahr stieg die Zahl auf 359 Fälle. Beim Hacking - dem unbefugten Eindringen in ein Computersystem - ging die Anzeigenzahl um 20,6 Prozent auf 363 zurück.

Bei der Wirtschaftskriminalität war der Anstieg der gemeldeten Taten geringer als beim Cybercrime. 55.308 Fälle von Betrugs-, Fälschungs- und Wirtschaftsdelikten bedeuteten ein Plus von 2,6 Prozent. Dabei gab es insgesamt 1.176 Betrugsdelikte mehr. "Fake-Webshops haben daran einen großen Anteil", erläuterte der Direktor des Bundeskriminalamts, Franz Lang. Außerdem fallen darunter auch Täter, die Ware unter falschen Namen bestellen und nicht bezahlen sowie der CEO-Betrug, bei dem sich Betrüger als Vorgesetzte ausgeben und Firmenmitarbeiter dazu bringen, hohe Beträge zu überweisen.

Neun Prozent weniger Wohnraumeinbrüche wurden im Vorjahr angezeigt. 11.802 Fälle bedeuteten österreichweit rund 32 Taten pro Tag und ein "historisches Tief", betonte Lang. In knapp 44 Prozent der Fälle blieb es zudem beim Einbruchsversuch. Das führte Lang auf bessere Sicherheitseinrichtungen und "gelebte Nachbarschaft" zurück. Vier von fünf ermittelten Tatverdächtigen waren fremde Staatsangehörige, betonte er. Die Aufklärungsquote beim Wohnraumeinbruch stieg von zehn auf 14,5 Prozent. Die Zahl der KFZ-Diebstähle sank von 2.994 auf 2.658 Fälle - das sind rund sieben pro Tag, 24 Prozent davon wurden aufgeklärt.

Ebenso zurückgegangen ist die Gewaltkriminalität - um 2,4 Prozent auf 42.079 angezeigte Fälle. Hier ist die Aufklärungsquote mit 85,5 Prozent besonders hoch, allerdings bestand bei fast zwei von drei Taten eine Beziehung zwischen Opfern und Tätern. Vollendete Tötungsdelikte gab es um 17 Prozent mehr als im Jahr 2016. 54 Menschen fielen tödlichen Gewalttaten zum Opfer, neun von zehn Tätern wurden ausgeforscht.

Die Zahl der Gewaltdelikte mit Hieb- und Stichwaffen, die sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht hatte, ging erstmals seit 2012 leicht auf 1.060 Taten zurück. Die Zahl der vorsätzlichen Körperverletzungen sank leicht auf 39.125 Anzeigen, das waren aber immer noch mehr als die historisch niedrige Zahl von 37.659 im Jahr 2014 und rund 107 Angriffe pro Tag. Die Zahl der Anzeigen wegen verschiedener ausgewählter Sexualdelikte stieg gegenüber 2016 leicht um 0,7 Prozent an. Die Aufklärungsquote lag bei 86,1 Prozent.

Beim Raub an öffentlichen Orten ("Straßenraub") gab es 1.332 angezeigte Fälle, 2016 waren es noch 1.593. Trafiken wurden 51 Mal überfallen, was ein Plus bedeutete. Rückläufig waren die Anzeigen bei Rauben in Geldinstituten (38 Fälle), Juweliergeschäften (sechs) und Tankstellen (40). Kickl zeigte sich insgesamt über die Kriminalstatistik 2017 erfreut. Er wolle sich aber nicht zurücklehnen, sondern Defizite beseitigen, um "Österreich zu einem der sichersten Länder auf dieser Welt zu machen", betonte der Innenminister.

(APA)

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