Quelle: ZAMG

"Pickerl"-Abgasmessung für Hofer aus der "Steinzeit"

31.01.2018 - 14:19
Hofer ist gegen Endrohrmessung© APAHofer ist gegen Endrohrmessung

Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) hält an seinem Vorhaben fest, künftig bei neueren Fahrzeugen bei der Paragraf-57a-"Pickerl"-Überprüfung auf die sogenannte Endrohrmessung zu verzichten. Diese Methode liefere "keine relevanten Daten", waren sich Hofer, ÖAMTC und ARBÖ am Mittwoch einig. "Die Endrohrmessung ist Steinzeit", erklärte Hofer. In Zukunft soll auf Computer-Analysen gesetzt werden.

Sie stamme noch aus einer Zeit, in der "ein zweiter Rückspiegel noch Sonderausstattung war. Sie misst auch nichts, lediglich, ob ein Partikelfilter vorhanden ist", sagte er. Der Verordnungsentwurf des Verkehrsministeriums zur Novellierung der Prüf- und Begutachtungsstellenverordnung (PBStV) sieht vor, bei Pkw, Lkw und Motorrädern jüngeren Baujahrs - also der Euro-Abgasklassen 4, 5 und 6 - künftig auf Tests am Auspuff im Rahmen des Pickerls zu verzichten. Stattdessen sollen lediglich Computer-Analysen, sogenannte On-Board-Diagnosen (OBD), durchgeführt werden. Die Begutachtungsfrist ist am 12. Jänner ausgelaufen, laut Hofer soll die Verordnung "noch in der ersten Februarhälfte in Kraft treten".

Dieser Plan sorgt weiterhin für kritische Stimmen, unter anderem vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ), Greenpeace, der Umweltorganisation Virus und auch dem Klubobmann der Liste Pilz, Peter Kolba. Sie alle fordern die Beibehaltung der bisherigen Endrohrmessung.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz Hofers mit Vertretern von ÖAMTC und ARBÖ wurde auch eine herkömmliche Endrohrmessung demonstriert. Hierbei wird das Messgerät mit einem Schlauch beim Auspuff angeschlossen. Der Dieselmotor wird ohne eingelegten Gang vier Mal bis zur Abregel-Drehzahl beschleunigt. Die Abgase werden durch den Schlauch in die Messkammer des Geräts gedrückt. "Gemessen wird hier lediglich der sichtbare Rauch, Stickoxide (NOx) nicht", erläuterte Andrej Prosenc, Koordinator Technische Standards bei ÖAMTC. "Das einzige, das angezeigt werden, sind Staubpartikel aus der Umgebung".

Die Gasstöße im Leerlauf führen laut ÖAMTC jährlich bei rund 100 Fahrzeugen zu einem Motorschaden. Bei der Finanzprokuratur landen jedes Jahr rund zehn Fälle, jedoch bleiben die Konsumenten immer auf den Kosten sitzen, was meist ein "wirtschaftlicher Totalschaden ist", sagte ARBÖ-Generalsekretär Gerald Kumnig. Denn hierbei kann niemandem ein Fehlverhalten und somit ein Verschulden vorgeworfen werden, da die Überprüfung ja vorschriftsgemäß erfolgte.

Bei der Endrohrmessung werde nur festgestellt, ob "der Partikelfilter eingebaut ist und funktioniert", sagte ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold. "Weder mit der Endrohrmessung, noch mit der OBD können Schadstoffe gemessen werden. Das ist auch nicht Zielsetzung der §57a-Überprüfung", erläuterte Schmerold. Bei der OBD werden "viel mehr Daten erfasst, sie ist auch wesentlich schonender", betonte Prosenc. Zusätzliche Kosten würden den Konsumenten durch die OBD laut Hofer keine entstehen.

"Ein professionelles Chip-Tuning kann allerdings weder durch die OBD-Auslese noch durch die Messung mittels Sonde entdeckt werden", sagte Hofer. Beim Verdacht auf eine Manipulation können Prüfer auch künftig jederzeit zusätzlich eine Endrohrmessung durchführen, betonte der Minister.

In Deutschland muss der Schadstoffausstoß von Autos seit 1. Jänner wieder generell direkt am Auspuff mittels Endrohrmessung überprüft werden. Hofer führt dies darauf zurück, dass hierbei "durch veraltete Geräte" ein "gutes Geschäft" gemacht werde.

Für die Luftqualität relevante Schadstoffemissionen - insbesondere die Stickoxidwerte (NOx) - könnten technisch weder mit der einen noch mit der anderen Messmethode festgestellt werden. Das ist derzeit nur mit aufwendigen und mehreren tausend Euro teuren Tests an Rollenprüfständen möglich, wurde betont. Erst Anfang 2016 wurden auf EU-Ebene strengere Grenzwerte und zusätzliche Abgastests beschlossen. Die entsprechende Verordnung steht kurz vor der Veröffentlichung. Diese Tests sollen dann alle EU-Länder stichprobenartig für alle genehmigten Fahrzeuge durchführen, in Österreich soll dies vom Verkehrsministerium gemeinsam mit der TU Wien erfolgen.

Das geplante Ende der Endrohrmessungen ist für Greenpeace "völlig unverantwortlich". Die Umweltorganisation forderte verschärfte Abgastests. "Ansonsten könnten rund 150.000 Fahrzeuge mit gesundheitsgefährdenden Mängel jährlich auf Österreichs Straßen landen", hieß es.

Greenpeace berief sich auf internationale Studien, die zeigen würden, dass sogenannte On-Board-Diagnosen (OBD) durch ein reines Auslesen von Computerdaten allein nicht ausreichen, um Mängel oder Manipulationen in der Abgasreinigung zu entdecken. Statt die Auspuff-Messungen abzuschaffen, müssten diese massiv verbessert werden, forderte Greenpeace. Dazu gehören etwa neue, an der TU Wien entwickelte Verfahren, mit denen neben Feinstaubpartikeln auch die Stickoxide rasch und kostengünstig gemessen werden können.

(APA)

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