Quelle: ZAMG

Seit Jahren erstmals wieder höchste Lawinenwarnstufe

22.01.2018 - 19:06
Kampf mit den Schneemassen am Arlberg© APAKampf mit den Schneemassen am Arlberg

Die enormen Schneefälle, die noch bis in die Nacht auf Dienstag anhalten sollten, haben die Lawinengefahr im Westen Österreichs erstmals seit Jahren wieder auf die höchste Warnstufe 5 ansteigen lassen. Fatale Abgänge blieben bis zum Nachmittag aus. Zahlreiche Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschlossen, dort war die Stimmung aber durchaus gut.

Die Experten des Landes stuften das Lawinenrisiko in Tirol verbreitet mit Stufe "4" der fünfteiligen Skala ein, gebietsweise herrschte aber auch "sehr große" Lawinengefahr, die höchste Stufe. Diese war in Tirol zuletzt 1999 ausgegeben worden, im Jahr der Lawinenkatastrophe von Galtür, bei der 38 Menschen starben. Ein Hubschrauber wurde in die Landecker Pontlatzkaserne verlegt. Zudem waren noch drei weitere Transport-Hubschrauber des Bundesheeres zur Stationierung in Landeck angefordert worden. Das Land Tirol riet in allen Gebieten mit Lawinenwarnstufe "5", ab sofort keine Outdoor-Veranstaltungen mehr durchzuführen sowie nicht notwendige Autofahrten und den Aufenthalt im Freien zu vermeiden.

Aufgrund der hohen Lawinengefahr war das hintere Paznauntal im Tiroler Oberland mit den Tourismusorten Kappl, Ischgl und Galtür am Montag nicht erreichbar. Rund 10.000 Urlauber waren vorerst im Tal eingeschlossen. In Galtür war die Situation trotz des Anstiegs der Lawinengefahr auf die höchste Stufe entspannt. Erinnerungen an die verheerende Lawinenkatastrophe aus dem Jahr 1999 kommen nicht hoch, sagte Bürgermeister Anton Mattle im Gespräch mit der APA: "Das war eine ganz andere Situation". Damals habe es drei Wochen lang intensiv geschneit, so Mattle: "Diesmal waren es drei Tage". Zahlreiche Straßen im Bundesland wurden gesperrt, die Westbahnstrecke zwischen Landeck und Bludenz und die Mittenwaldbahn unterbrochen.

Der Höhepunkt der Lawinengefahr in Tirol soll um Mitternacht erreicht werden. Bis dahin rechneten die Experten mit weiteren Niederschlägen mit bis zu 30 Zentimeter Neuschneezuwachs. Die Bergrettung in den Bezirken Imst, Landeck und Reutte wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, hieß es. In den abgeschnittenen Orten und Talbereichen entfällt am Dienstag der Unterricht, auch die Kindergärten blieben geschlossen, so das Land. Kinder wie Lehrer könnten zum Teil wegen der Lawinensperren nicht an ihr Ziel gelangen.

Nach dem Erreichen des Höhepunkts der Lawinengefahr in der Nacht sollte sich dann ab Dienstag, die Lawinengefahrstufe wieder verbessern, erklärte Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst Tirol. Weiterhin sollte aber jedenfalls auf Touren abseits gesicherter Pisten verzichtet werden.

In Vorarlberg saßen am Montag geschätzte 10.000 Urlauber in den Vorarlberger Arlberg-Orten Lech, Zürs und Stuben sowie in Gargellen (Montafon) fest. Die entsprechenden Zufahrtsstraßen - die Arlbergstraße (L197), die Lechtalstraße (L198) sowie die Gargellener Straße (L192) - blieben wegen Lawinengefahr gesperrt, eine Freigabe der Verbindungen noch am Montag schien unwahrscheinlich. Lediglich die Arlbergstraße (B197) sollte am Montagnachmittag zwischen 15.00 und 17.00 Uhr vorübergehend für all jene geöffnet werden, die St. Anton verlassen wollen. Nach St. Anton hineinfahren wurde nicht erlaubt. Auch die Arlbergbahnstrecke war zwischen Bludenz und Landeck-Zams noch bis mindestens Dienstagvormittag nicht befahrbar. In der Region Gargellen wurde erstmals seit Jahren die höchste Lawinenwarnstufe 5 ("sehr große Gefahr") ausgerufen, in den anderen Bergregionen des Landes bestand große Lawinengefahr der Stufe 4.

Dennoch war die Stimmung in den betroffenen Orten sehr gut. Viele Urlauber würden den Tag zum Skifahren und Winterwandern nützen, hieß es. "Wir haben drei praktische Ärzte und einen Unfallchirurgen in Lech", verwies Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel ebenso auf die gesicherte medizinische Versorgung und auf ausreichend vorhandene Verpflegung. Aus Gargellen verlauteten ähnliche Töne.

Im Bundesland Salzburg blieb die Lage angespannt. Abgesehen von den Lungauer Nockbergen bestand überall große Lawinengefahr. Etliche Straßenverbindungen mussten deswegen auch gesperrt werden, so etwa die Katschberg Bundesstraße zwischen Obertauern und Mauterndorf, die Salzachtal Bundesstraße über den Pass Lueg, die Pinzgauer Bundesstraße zwischen Lofer und Zell am See und die Hochkönig Bundesstraße zwischen Mühlbach und Dienten. Auf vielen höher gelegenen Straßen bestand Kettenpflicht, entweder für Lkw oder für alle Fahrzeuge. Mit einer Entspannung der Situation ist laut Meteorologen erst im Lauf der Woche zu rechnen. Zu großen Behinderungen mit Staus kam es Montagfrüh auch im Großraum Salzburg. Betroffen waren praktisch alle Einfallstraßen, sagte ein Mitarbeiter der Verkehrsleitzentrale der Polizei.

Die Lawinensituation in Oberösterreichs Alpenraum hat sich weiter verschärft. Der Warndienst des Landes hat für Höhen ab 1.400 Meter Lawinenwarnstufe 4 gegeben. Die Lage sei "sehr angespannt und kritisch", da sich der Neuschnee noch nicht setzen konnte. Der Pyhrnpass wurde für den Straßenverkehr gesperrt. In Teilen der Steiermark herrschte am Montag ebenfalls große Lawinengefahr, Schneefälle und Wind hatten die Situation verschärft. Auf fast allen Bergstraßen war Kettenpflicht für alle Fahrzeuge verhängt, die Straße zwischen dem salzburgischen Filzmoos und der steirischen Ramsau war wegen drohender Lawinen gesperrt. Auf den schneeglatten Fahrbahnen gab es etliche Unfälle.

In den Ybbstaler Alpen und im Rax-Schneeberggebiet oberhalb von 1.200 Metern wurde das Risiko mit Stufe 4 auf der fünfteiligen Skala beurteilt. Darunter und in den Türnitzer Alpen galt Stufe 3 ("erheblich"), teilte der Warndienst Niederösterreich mit. Die spontane Lawinenaktivität stieg an.

(APA/dpa)

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