Quelle: ZAMG

Ein Toter und 21 Verletzte bei Explosion in Gasstation in NÖ

12.12.2017 - 21:20
Die Explosion forderte ein Todesopfer© (APA/LANDESFEUERWEHRKOMMANDO NÖ)Die Explosion forderte ein Todesopfer

Bei einer Explosion in der Gasstation von Gas Connect in Baumgarten in Niederösterreich ist am Dienstag in der Früh eine Person ums Leben gekommen. 21 Menschen wurden verletzt, einer davon schwer. Ursache für den Unfall dürfte ein technisches Gebrechen gewesen sein. Die Gasleitungen nach Italien, Deutschland und Ungarn sollen noch am Dienstag wieder in Betrieb genommen werden.

Nach eingehender Kontrolle durch die Feuerwehr und das Landeskriminalamt wird Gas Connect Austria die Systeme der Trans-Austria-Gasleitung in Richtung Italien, der West-Austria Gasleitung nach Deutschland, der Hungaria-Austria Gasleitung nach Ungarn noch vor Mitternacht wieder in Betrieb nehmen, teilte das Unternehmen mit. Der Transit durch Österreich über Baumgarten werde derzeit wieder in Betrieb genommen "und somit kann die Gasversorgung der belieferten Länder gesichert werden".

Bei den Opfern der Explosion handle es sich mehrheitlich um Gas Connect-Mitarbeiter, sagte Unternehmenssprecher Andreas Rinofner. Bei dem Verstorbenen soll es sich laut einem "Kurier"-Onlinebericht um einen Mitarbeiter des TÜV (Technischer Überwachungsverein) handeln. Die Landespolizeidirektion wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen. Der Verstorbene sei männlich, bezüglich der Identität müsse man einen DNA-Abgleich abwarten, so ein Sprecher. Die Leiche weist schwerste Verbrennungen auf. Laut "Kurier" soll der 32-Jährige mit Überprüfungen am Gelände in Baumgarten an der March in der Gemeinde Weiden an der March beschäftigt gewesen sein, als es zur Explosion kam.

Unter den Opfern sind nach Angaben vom Dienstagabend nicht nur österreichische Staatsbürger. Zu den Leichtverletzten würden auch Mitarbeiter von Kontraktoren aus sechs weiteren Ländern zählen, teilte GCA auf seiner Website mit.

Die Ursache der Explosion blieb vorerst ungeklärt. "Derzeit gehen wir von einem technischen Gebrechen aus", unterstrich das Unternehmen am Abend. Der genaue Unfallhergang sei Gegenstand von Untersuchungen und der Ermittlungen der Polizei. Seitens GCA werde alles getan, um diese Arbeit zu unterstützen. Die beschädigten Teile der Anlage seien bis auf Weiteres außer Betrieb.

Offenbar war dem Kurier-Bericht zufolge am Montag ein neuer Anlagebehälter in Betrieb genommen und mit sechs Bar Druck begast worden. Nachdem am Dienstag kein Druckverlust bemerkbar gewesen sei, sollte er demnach in Vollbetrieb übernommen werden - das sollte vom TÜV überprüft werden. In diesem Bereich soll es zu einer Verpuffung gekommen sein. Die Erhebungen der Brandermittler werden morgen in der Früh fortgesetzt, sagte Sprecher Heinz Holub von der Landespolizeidirektion Niederösterreich.

Das mit Verbrennungen schwerverletzte Opfer wurde nach ÖAMTC-Angaben von "Christophorus 9" ins AKH Wien geflogen. Weitere Verletzte wurden ins Wiener SMZ Ost und UKH Meidling sowie ins Landesklinikum Hainburg transportiert, teilte Kellner mit. Etwa 50 Personen wurden in der Folge von Kriseninterventionsteams (KIT) betreut. Die gewaltige Explosion war laut der Nachrichtenagentur TASR auch von slowakischer Seite sichtbar.

Die Explosion hatte sich laut dem Sprecher im westlichen Bereich der Anlage ereignet. Die Ausdehnung der Explosion auf dem 17 Hektar großen Areal beschrieb Gas Connect-Geschäftsführer Stefan Wagenhofer mit etwa 100 mal 100 Metern. Es handle sich um einen Bereich, wo es zuletzt eine Bautätigkeit gegeben habe. "Heute nicht", fügte der Geschäftsführer hinzu. Erst gegen 15.30 Uhr hat es schließlich Brand aus gegeben. Nachlöscharbeiten dauerten aber weiter an. Zudem sollte eine Brandwache die gesamte Nacht auf Mittwoch aufrecht bleiben. Wann die Gasstation den Betrieb wieder aufnehmen kann, wurde am Nachmittag von Experten beraten.

Die Explosion hatte ein Großaufgebot an Einsatzkräften gefordert. So wurden etwa 22 Feuerwehren mit 240 Mann alarmiert, wie Landeskommandant Dietmar Fahrafellner mitteilte. Das Rote Kreuz stellte 40 Mitarbeiter. Hinzu kamen noch vier Notärzte und drei Mediziner aus der unmittelbaren Region sowie zwei Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams (KIT). Seitens der Rettungskräfte waren zudem "Christophorus 3" und "Christophorus 9", zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und zwölf Rettungswägen aufgeboten. Die Polizei entsandte 14 Streifen und 41 Mann der Einsatzreserve. Zudem wurde die Feuerwehr vom Hubschrauber "Libelle" aus mit Live-Bildern bei der Findung des Brandherdes unterstützt.

Die Gasstation ist die größte Import- und Übernahmestation für Erdgas in Österreich. Erdgas aus Russland, Norwegen und anderen Ländern wird dort übernommen, gemessen, geprüft und für den Weitertransport verdichtet. Zudem wird vor allem der Osten Österreichs versorgt.

Nach der Explosion zogen die Gaspreise in Europa scharf an. In Italien stieg der Day-ahead-Großhandelspreis um 87 Prozent auf 44,50 Euro je Megawattstunde (MWh). Der Preis für britisches Gas zur sofortigen Lieferung schnellte um 32 Prozent nach oben. Italien zeigte sich zwar besorgt. Es sei jedoch nicht mit Engpässen in den Gaslieferungen zu rechnen, da Italien auf Reserven zurückgreifen könne, hieß es in einer Presseerklärung des Wirtschaftsministeriums. Die Lage sei unter Kontrolle.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat auf Facebook seine Anteilnahme ausgedrückt: "Meine Gedanken sind bei der Familie, den Freunden und Arbeitskollegen des Mannes, der heute im Marchfeld ums Leben gekommen ist. Meine aufrichtige Anteilnahme sowie viel Kraft für die schweren Stunden der Trauer".

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) besuchte am Dienstagnachmittag den Unglücksort. Sie sprach im Anschluss von einer herausfordernden und daramtischen Situation, die in der Früh zu bewältigen gewesen sei. Nach der Gasexplosion hat das slowakische Innenministerium Unterstützung u.a. mit Rettungsgeräten und Feuerwehrfahrzeugen angeboten, teilte Mikl-Leitner mit. Sie sprach von einem wohltuenden "Ausdruck der Verbundenheit unserer Länder".

Nach Rücksprache mit Landesfeuerwehrkommandanten Fahrafellner, dem Landesrettungskommandanten des Österreichischen Roten Kreuzes, Werner Kraut, und Landespolizeidirektor Konrad Kogler sei entschieden worden, dass "keine weiteren Einsatzkräfte mehr erforderlich" seien, so Mikl-Leitner. Sie bedankte sich jedoch "bei unseren slowakischen Nachbarn ausdrücklich für ihre Anteilnahme und das rasche Hilfsangebot".

(APA)

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