Quelle: ZAMG

Schwerer Sturm tobte über Österreich

29.10.2017 - 19:14
Parks wurden wegen des Sturms gesperrt© APAParks wurden wegen des Sturms gesperrt

Ein schwerer Sturm mit Windspitzen bis 140 Stundenkilometer im Flachland und bis zu knapp 180 auf den Bergen hat am Sonntag über Österreich getobt. Die Feuerwehren mussten tausende Einsätze absolvieren. In Wien wurde der Hauptbahnhof gesperrt, nachdem sich Verschalungsteile bei einer Hochhausbaustelle gelockert hatten.

In der Bundeshauptstadt gab es bis etwa 18.00 Uhr knapp 900 Einsätze für die Berufsfeuerwehr zu absolvieren, etwa 800 mehr als an einem normalen Tag. "Viel werden uns am Ende des Tages nicht auf die 1.000 Einsätze fehlen. Wir beschäftigen uns fast ausschließlich mit den Folgen des Sturms", sagte Gerald Schimpf, Sprecher der Berufsfeuerwehr, am Abend zur APA.

Der spektakulärste Einsatz war beim Wiener Hauptbahnhof zu absolvieren, wo 65 Feuerwehrleute mit 18 Fahrzeugen im Einsatz standen. Sie versuchten die großen Teile an der Fassade des in Bau befindlichen Hauses zu sichern und kleinere Teile in die Bahnhofshalle zu bringen. Die Bahnsteige waren für Menschen gesperrt, damit war auch der oberirdische Bahnhofsbetrieb über Stunden lahmgelegt. Züge konnten zwar durchfahren, sie konnten aber nicht halten und Passagiere ein- oder aussteigen lassen.

Der Betrieb wurde damit über den Bahnhof Meidling abgewickelt. Lediglich die Schnellbahn, die nicht im Freien hält, blieb noch am Hauptbahnhof stehen. Das Gebäude selbst war sicher und konnte unterirdisch verlassen werden. Die Polizei sperrte laut Informationen über ihren Twitter-Account auch den Wiedner Gürtel in dem Bereich. Gegen 15.00 Uhr wurde die Sperre aufgehoben, ab 16.00 Uhr waren die Züge wieder planmäßig unterwegs

Gegen 13.00 Uhr gab es auch auf der Donauinsel bei der Lobau eine Sperre. Die Berufsfeuerwehr entdeckte in der Mitte der Schwimmbrücke Waluliso unweit der Panozzalacke lose Elemente. Die Überquerung des Entlastungsgerinnes zu Fuß war in dem Bereich damit unmöglich, "bis die Teile wieder befestigt sind", sagte Feuerwehrsprecher Lukas Schauer.

Ansonsten waren der Großteil der Einsätze "Klassiker" für einen Sturm. Die Feuerwehr musste einige große umgestürzte Bäume beseitigen, auf der Donau hatte sich ein Fischerboot aus der Verankerung gerissen. Dieses wurde von Feuerwehrtauschern gesichert. Außerdem war die Fassade eines Gebäudes großflächig zu sichern. Am Abend trat Schimpf zufolge "vorsichtige Entspannung" ein. Die Wiener Friedhöfe und auch einige Parks wurden geschlossen.

In Niederösterreich wütete der Sturm in nahezu allen Regionen. Massiv betroffen waren die Bezirke Amstetten, Melk und Krems, Mödling und Baden. Verletzte wurden bis dato nicht gemeldet, die Arbeit der Feuerwehren bestand nach Angaben von Sprecher Franz Resperger zu 90 Prozent darin, umgestürzte Bäume von Strom- oder Telefonleitungen sowie Straßen zu beseitigen, Kamine und Dächer sowie instabile Fassadengerüste zu sichern. Im Waldviertel waren vorübergehend Tausende Haushalte ohne Strom.

Laut Resperger hatte sich die Lage am Abend weitgehend entspannt. 220 Feuerwehren hatten in Niederösterreich 1.500 Einsätze mit insgesamt 5.000 Mitgliedern absolviert. Es gab auch zahlreiche Straßensperren aufgrund umgestürzter Bäume.

Im Burgenland galt es ebenso, Straßen freizumachen und Sturmschäden zu beseitigen. Die Landessicherheitszentrale verzeichnete mehr als drei Dutzend Einsätze.

In der Steiermark waren am Sonntag rund 12.000 Haushalte ohne Strom, da 240 Trafostationen durch Sturmschäden ausgefallen waren. Betroffen waren neben Gebieten in der Obersteiermark am Nachmittag vor allem die Ost- und Südsteiermark. Der oststeirische Tierpark Herberstein war aus Sicherheitsgründen geschlossen.

In Oberösterreich waren zu Spitzenzeiten mehr als 8.000 Feuerwehrleute im Einsatz. Ab 14.00 Uhr setzte Entspannung ein, ab 16.00 Uhr wurden die Feuerwehren laut Landesfeuerwehrkommando nur mehr vereinzelt zu Sturmeinsätzen gerufen. Insgesamt haben die Feuerwehren über 1.800 Einsätze absolviert, gegen 18.30 Uhr waren noch rund 20 Feuerwehren beschäftigt. Als größere Vorkommnisse nannte Mario Leidinger vom Landesfeuerwehrkommando zahlreiche abgedeckte Hausdächer - darunter die HTL Leonding (Bezirk Linz-Land) und ein Mehrparteienhaus in Lambach (Bezirk Wels-Land). In Scharnstein (Bezirk Gmunden) wehte der Wind ein Carportdach auf ein Wohnhaus und in Gaflenz (Bezirk Steyr-Land) rettete die Feuerwehr zehn Personen aus einem Zug, der wegen einer gerissenen Oberleitung stoppen musste.

96.000 Haushalte waren von sturmbedingten Stromausfällen betroffen. Bis zum Abend waren die meisten wieder mit Energie versorgt. Bis auf wenige Ausnahmen sollten auch fast alle Haushalte noch am Sonntag wieder mit Strom versorgt werden, zeigten sich die Sprecher der Energie AG und Linz AG auf APA-Anfrage am Sonntagabend zuversichtlich. Eine Sperre der Pyhrnautobahn (A9) zwischen Inzersdorf und St. Pankraz wurde laut ÖAMTC gegen 17.00 Uhr wieder aufgehoben.

In Salzburg gingen die Feuerwehreinsätze gegen 16.00 Uhr zurück. Der Schwerpunkt verlagerte sich am Sonntagabend in den Tennengau, wo gegen 18.00 Uhr noch fünf Feuerwehren beschäftigt waren. "Die Lage hat sich beruhigt", hieß es auf APA-Anfrage. Insgesamt waren 68 Feuerwehren mit rund 1.600 Mann im Flachgau, Pinzgau, Pongau und Tennengau unterwegs.

In der Stadt Salzburg waren die Feuerwehren mit 100 Mann seit den frühen Sonntagmorgenstunden im Einsatz, um Sturmschäden zu beseitigen. Im Bereich des Kommunalfriedhofs wurden drei Bäume geknickt - "insofern war unsere Vorsichtsmaßnahme der Friedhofssperre höchst notwendig und sinnvoll", so Vize-Bgm. Harry Preuner (ÖVP) in einer Aussendung. Ab 14.00 Uhr gab es laut dem Sprecher des Flughafens Salzburg, Alexander Klaus, keine Einschränkungen mehr im Flugverkehr. Zuvor mussten am Sonntag von vierzehn Flügen zwei gestrichen und sechs umgeleitet werden.

In Vorarlberg wurde aufgrund der Sturmböen am Sonntagvormittag der Fahrbetrieb der Karren-Seilbahn in Dornbirn eingestellt. Auf dem Karren (971 Meter Seehöhe) wurden Windgeschwindigkeiten bis 100 Stundenkilometer gemessen. Schäden aufgrund des Windes gab es laut Auskunft der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) bis zum Nachmittag nicht.

(APA)

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech