Quelle: ZAMG

Festzelt im Innviertel eingestürzt - Zwei Menschen tot

19.08.2017 - 18:05
Zwei Tote und dutzende Verletzte waren zu beklagen© APA (Manfred Fesl)Zwei Tote und dutzende Verletzte waren zu beklagen

Schwere Unwetter haben in der Nacht auf Samstag die Einsatzkräfte zwischen Vorarlberg und Oberösterreich auf Trab gehalten und im Bezirk Braunau am Inn zwei Todesopfer gefordert. In St. Johann am Walde wurde Katastrophenalarm ausgelöst, nachdem eine Orkanböe die Aluminiumkonstruktion eines Festzeltes umgerissen hatte. Das Zelt, in dem sich 650 Besucher eines Feuerwehrfestes befanden, stürzte ein.

Zahlreiche Personen wurden unter der Plane begraben und von herabfallenden Trümmerteilen getroffen. Eine 19-jährige Rumänin und ein 28 Jahre alter Mann kamen ums Leben. Zumindest 120 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, davon 20 schwer. Die Verletzten wurden auf die umliegenden Krankenhäuser aufgeteilt.

Die Staatsanwaltschaft ließ den Unglücksort sperren und nahm Ermittlungen auf. "Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Sachverständiger wird am Samstagnachmittag eintreffen und die Unglücksstelle begutachten", berichtete ein Polizist der APA. Derzeit ist der Ort für die Ermittlungen gesperrt, Aufräumarbeiten durften damit voterst nicht vorgenommen werden.

Von der Massivität der Sturmböen waren auch oberösterreichische Wetterexperten überrascht. Zwar habe man gewusst, dass eine Front über Oberösterreich ziehen werde. "Die Modelle hatten aber keine 100 km/h Böen vorgesehen", so Meteorologe Wolfgang Traunmüller von Blue Sky-Wetteranalysen aus Attnang-Puchheim. Unwetterwarnungen habe man Freitagabend in einem Zeitfenster von etwa fünf bis zehn Minuten treffen können. "Das ist für so ein Zeltfest natürlich viel zu kurz." Die Front hatte sich lange Zeit normal verhalten. Durch dynamische Vorgänge habe sich der Sturm unerwartet so massiv entwickelt. 130 km/h waren beispielsweise in Hörsching messbar.

Anfangs war noch von 44 Verletzten die Rede. Hier hatte man aber bereits befürchtet, dass die Zahl noch steigen könnte. Viele Besucher der Feier wurden auch privat von Angehörigen ins Krankenhaus gebracht. Zuerst lagen nur die offiziellen Daten der vom Roten Kreuz Versorgten vor. Zu Mittag revidierte man die Zahl dann massiv nach oben. Bei den Getöteten handelte es sich um einen Einheimischen und eine aus Rumänien gebürtige Krankenschwester in Ausbildung.

Aufgrund des Großschadensfalles mit den vielen Verletzten löste das Rote Kreuz Katastrophenalarm aus. Für Angehörige wurde um 5.00 Uhr seitens des Rettungsdienstes unter der Nummer 0732/7644644 eine Telefonhotline eingerichtet. Fünf Mitarbeiter wurden vorerst zur Betreuung abgestellt. "Insgesamt haben wir 45 Anrufer gezählt", teilte der Sprecher des Roten Kreuzes, Christian Hartl, der APA mit.

Das Unglück sorgte auch in der oberösterreichischen Landespolitik für Entsetzen. "Es ist einfach nur traurig und unfassbar, wenn Menschen durch die Gewalt der Natur so brutal aus dem Leben gerissen und so viele weitere zum Teil schwer verletzt werden", meinte Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP). SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer drückte den Hinterbliebenen ebenfalls ihre Kondolenzwünsche aus.

"Die Betroffenheit ist gewaltig", beschrieb Diakon Anton Baumkirchner die Szenerie. "St. Johann trägt Trauer", so der Seelsorger zur APA. Am heutigen Samstagabend werde um 19.00 Uhr dem Unglück im Rahmen der Abendmesse gedacht. "Natürlich wird das Unglück ein Thema sein", so Baumkirchner. Man denke an die Verstorbenen und an die vielen Verletzten. "Vor allem im ländlichen Bereich lebt man mit den Menschen mit."

Nur 30 Kilometer von St. Johann im Walde entfernt wurden in Gilgenberg vier Menschen verletzt. Eine 20 Meter hohe Fichte war auf die Gäste einer privaten Feier gestürzt. Während einige Gäste noch rechtzeitig in das Haus flüchten konnten, wurden zwei Frauen und zwei Männer vom Baum getroffen. Die Partygäste wurden im Krankenhaus behandelt. Sie konnten dieses allerdings bereits wieder verlassen.

Im gesamten Salzkammergut wurden etliche Bäume vom Sturm geknickt. Im Weißenbachtal kollidierte ein mit fünf Insassen besetzter Pkw mit einem umgefallenen Baum. Die Beteiligten kamen laut Feuerwehr mit dem Schrecken davon.

Zu Sturmschäden kam es in den Nachtstunden auch in Salzburg, Tirol und Vorarlberg. In der Stadt Salzburg wurden insgesamt drei Menschen verletzt. In der Altstadt lösten sich Gerüstteile, zwei Frauen wurden von Trümmern getroffen. Sie erlitten Rissquetschwunden im Gesicht. Im Stadtteil Wals wurde eine Plexiglasscheibe auf die Westautobahn geweht. Diese durchschlug die Windschutzscheibe eines Pkw. Der 19-jährige Lenker konnte sein Fahrzeug am Pannenstreifen anhalten. Die Splitter fügten ihm Verletzungen an beiden Augen zu.

Zwischen Salzburg-Nord und dem Grenzübergang Walserberg wurden etliche Bäume entwurzelt. Auch im Flachgau und Tennengau mussten umgestürzte Bäume von Straßen, Häusern und Autos entfernt und zahlreiche Dächer provisorisch abgedichtet werden. Nicht weniger als 364 Einsätze verzeichnete das Landesfeuerwehrkommando.

Die Unwetterschäden sorgten für gröbere Verkehrsbehinderungen. Besonders betroffen war der Zugverkehr. Die Korridorstrecke zwischen Salzburg und Kufstein war wegen umgestürzter Bäume unterbrochen. Die Sperre wird voraussichtlich bis Sonntagvormittag andauern, teilten die ÖBB mit. Korridorzüge auf der Westbahnstrecke werden bis dahin über Zell am See umgeleitet, wodurch sich Verspätungen von bis zu 90 Minuten ergeben. Auf allen Strecken im Fernverkehr wurde der Betrieb am frühen Abend wieder aufgenommen.

In Vorarlberg war laut Polizei vor allem der Großraum Bludenz vom Unwetter betroffen. Ein Baugerüst musste noch während des tobenden Gewitters abgebaut werden, da es auf die Straße zu stürzen drohte. In Bürs verlegten zahlreiche Bäume die Brandnerstraße, die für Aufräumarbeiten vorübergehend unpassierbar war. Zudem wurden Baustellenzäune auf die Fahrbahn geweht.

Der Sturm führte auch zu einem außergewöhnlich tierischen Feuerwehr-Einsatz: Ein Zelt eines in Bad Ischl gastierenden Zirkus wurde weggerissen. Die darin untergebrachten Tiere flüchteten und irrten im Ort umher. Die Einsatzkräfte rückten aus, um die Ziegen und Ponys wieder einzufangen.

(APA)

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