Quelle: ZAMG

Großalarm im Bezirk Gänserndorf und Tornado bei Schwechat

11.07.2017 - 13:59
Einsatzkräfte der Feuerwehr bei Abpumparbeiten im Marchfeld© APA (BFKDO GÄNSERNDORF)Einsatzkräfte der Feuerwehr bei Abpumparbeiten im Marchfeld

Bei einem schweren Unwetter sind am Montagnachmittag bzw. frühen Abend im Bezirk Gänserndorf mehrere Ortschaften teilweise bis zu einen Meter unter Wasser gesetzt worden. Es gab Großalarm, teilte Feuerwehrsprecher Franz Resperger mit. Am Flughafen Wien in Schwechat zog ein Tornado vorbei. Die Hagelversicherung bezifferte die Schäden in der Landwirtschaft mit 15 Millionen Euro.

Allein im Bezirk Gänserndorf standen 39 Feuerwehren mit fast 500 Mann stundenlang im Einsatz. Überflutete Ortsteile mussten abgepumpt, überschwemmte Keller trockengelegt und Dutzende umgestürzte Bäume beseitigt werden. "Die Aufräumungsarbeiten werden vermutlich auch noch den ganzen Dienstag andauern", sagte Resperger.

Am stärksten betroffen waren Auersthal, Raggendorf, Mühlleiten, Rutzendorf, Oberhausen, Wittau, Obersiebenbrunn, Untersiebenbrunn und Leopoldsdorf im Marchfelde. Das Wasser stand dem Sprecher zufolge teils hüfthoch und wurde von drei Großpumpen des NÖ Landesfeuerwehrverbandes abgepumpt.

Die B3 in Oberhausen musste wegen Überflutung ebenso gesperrt werden wie die Straße zwischen Franzendorf und Rutzendorf. In diesem Bereich wurden von der Feuerwehr mehrere Unterwasserpumpen eingesetzt. Dutzende Notrufe betrafen zudem umgestürzte Bäume und geknickte Strommasten, die teilweise Hausdächer beschädigten. "Die Regenmengen waren derartig gewaltig, dass auch Äcker massiv in Mitleidenschaft gezogen wurden und der abgeschwemmte Schlamm mehrere Straßenzüge blockierte", berichtete Resperger.

Vom Unwetter getroffen wurde auch Schwechat (Bezirk Bruck a.d. Leitha). Fotos zeigten zudem einen Tornado, der am Flughafen Wien vorbeizog. Auslöser für den Wirbelsturm war eine sogenannte Superzelle, besonders starke Gewitterzellen, die nur unter bestimmten Bedingungen entstehen. Eine solche zog am Nachmittag aus dem Wienerwald entlang der südlichen Wiener Stadtgrenze bei den Bezirken Liesing, Favoriten und Simmering und sorgte auch für größere Hagelniederschläge. Diese sorgten für zahlreiche Schäden an Autos. Die Stadt reagierte: Kfz mit Glasschäden können bis Sonntag kostenlos in der Tiefgarage beim Rathaus abgestellt werden, falls es mit dem Werkstatt-Termin dauern sollte.

Das Land NÖ hat am Dienstag angekündigt, nach den jüngsten Unwettern Mittel aus dem Katastrophenfonds freizugeben. Schäden seien an Privathäusern, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen entstanden. "Die Schadenskommissionen nehmen in den Gemeinden bereits die Schäden auf, damit rasch geholfen werden kann", sagten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LHStv. Stephan Pernkopf (beide ÖVP).

Laut der Österreichischen Hagelversicherung haben die schweren Unwetter Schäden in Höhe von 15 Millionen Euro in der Landwirtschaft verursacht. Betroffen waren insbesondere der Wiener Bezirk Liesing und die Bezirke Gänserndorf, Bruck a.d. Leitha, Mödling sowie St. Pölten-Land in Niederösterreich. Auf einer Fläche von etwa 10.000 Hektar wurden Acker-, Obst-, Wein- und Gemüsekulturen sowie Glashäuser durch bis zu 5,5 cm großen Hagelkörner schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Die Schäden vom Montag sind laut Hagelversicherung die zweithöchsten bei einem Unwetter in Österreich. Am 23. Juli 2009 waren es 20 Millionen Euro in der Landwirtschaft gewesen.

In Wien hat die Berufsfeuerwehr im Zuge der Unwetter mehr als 200 Einsätze verzeichnet. Betroffen waren laut Feuerwehrsprecher Gerald Schimpf die Bezirke Favoriten, Simmering, Hietzing und Donaustadt, später kamen auch Ottakring, Hernals und Währing dazu.

Am schlimmsten erwischte es einen Autofahrer in der Unterführung Matzleinsdorfer Platz. Wasser drang in den Innenraum des Fahrzeugs ein und machte es unbrauchbar. Die Feuerwehr barg den Wagen. Einsätze wegen Hagels registrierte die Berufsfeuerwehr nur in Liesing, ansonsten ging es um Starkregen. Die Einsatzkräfte mussten meist überflutete Fahrbahnen und Keller abpumpen.

(APA)

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