Quelle: ZAMG

Wintereinbruch führte zu Verkehrschaos und Stromausfällen

20.04.2017 - 15:36
Feuerwehr war auf der A21 im Dauereinsatz© APA (BFK Baden)Feuerwehr war auf der A21 im Dauereinsatz

Der heftige Wintereinbruch hat Mittwochabend und Donnerstag zu Chaos auf Österreichs Straßen, Stromausfällen, politischen Reaktionen und Panik bei den Weinbauern geführt. Die in der Nacht gesperrten Autobahnen A1 und A21 waren am Donnerstag wieder ungehindert befahrbar. Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) forderte eine Verlängerung der Winterreifepflicht für Lkw über 3,5 Tonnen um ein Monat.

In Niederösterreich und im Burgenland waren wegen des Schneefalls Tausende Haushalte ohne Strom. Nachdem in der Nacht in Niederösterreich 25.000 Haushalte betroffen waren, lag die Zahl am Donnerstag in der Früh noch bei knapp über 1.000, hieß es von der EVN. Die Störungstrupps der "Netz NÖ" seien unter teils schwierigen Bedingungen im Einsatz gewesen. Bäume waren geknickt, Äste abgebrochen und in Freileitungen gestürzt. Das habe zu sogenannten Schneedruckstörungen geführt. Die Haupteinsatzgebiete lagen laut EVN in und um Pottenstein im Bezirk Baden sowie in und um Böheimkirchen im Bezirk St. Pölten. Im Burgenland waren vor allem die Bezirke Oberpullendorf und Oberwart von den Stromausfällen betroffen.

In Wien-Liesing stürzte am Mittwochabend wegen des schweren Schnees ein Baum auf einen fahrenden Pkw. Der Lenker wurde von der Berufsfeuerwehr in der Kaltenleutgebner Straße aus dem Fahrzeug befreit, er erlitt leichte Verletzungen. Die Kaltenleutgebner Straße wurde nach dem Unfall gesperrt, die Feuerwehr richtete für die Anrainer einen Shuttle-Dienst ein. Weil weitere Bäume drohten umzustürzen, wurden diese von Feuerwehrleuten am Donnerstagnachmittag entfernt. "Wir kontrollieren Baum für Baum mittels Drehleiter, der Einsatz wird noch zumindest mehrere Stunden dauern", sagte Feuerwehrsprecher Jürgen Figerl.

Auch der Lainzer Tiergarten in Wien musste wegen der Schneefälle am Donnerstag aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Die Sperre bestehe bis auf Weiteres, sagte ein Sprecher des Forstamts (MA 49) zur APA. Man müsse die aktuelle Entwicklung abwarten. Abgesehen vom Lainzer Tiergarten seien keine weiteren Gebiete gesperrt worden. Es wird aber davon abgeraten, in höheren Lagen, in denen Schnee in den Baumkronen liegt, in die Wälder zu gehen. Das Schönbrunner Freibad entschied sich trotz des winterlichen Wetters, seine Pforten bereits am Samstag für hartgesottene Besucher zu öffnen.

Verkehrsminister Leichtfried forderte nach den nächtlichen Problemen auf Österreichs Straßen eine verlängerte Winterreifenpflicht für Lkw über 3,5 Tonnen. "Wir haben es immer öfter mit Wetterkapriolen zu tun, späte Wintereinbrüche mit viel Schnee, der dann zu enormen Verkehrsbehinderungen führt. Das Hauptproblem sind Lkw ohne Winterreifen, die liegen bleiben, sich quer stellen und den Verkehr blockieren", sagte Leichtfried der APA. Für Lkw über 3,5 Tonnen ist die Winterreifenpflicht unabhängig vom Wetter vorgeschrieben. Sie müssen ab 1. November bis 15. April zumindest auf den Antriebsrädern mit Winterreifen ausgestattet sein. "Wir prüfen eine Verlängerung um ein Monat", sagte Leichtfried.

Im Osten Österreichs führte der Wintereinbruch zu einem Schneerekord. Im Bergland lag stellenweise so viel Schnee wie noch nie in der zweiten Aprilhälfte. In Lunz am See waren es laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Donnerstag 86 Zentimeter. Auch der Westen war teils tief verschneit, jedoch weit entfernt von einem Rekord. Für die Nacht auf Freitag bestehe eine Frostwarnung, teilte die ZAMG mit.

Die heimischen Obst- und Weinbauern zeigten sich deshalb besorgt über ihre Ernte. Mit unterschiedlichen Methoden versuchten sie sich gegen den Frost zu wappnen. So wird etwa Stroh abgebrannt, auch Frostkerzen werden verwendet. Manche versuchen es mit Beregnen oder dem Abdecken der Kulturen oder Triebe. Die Obstkulturen stehen derzeit teilweise in der Vollblüte. Die Vegetation ist heuer im Durchschnitt zwei Wochen weiter als im langjährigen Schnitt.

Der heftige Wintereinbruch hatte am Mittwoch insbesondere auf der Wiener Außenring- (A21) und Westautobahn (A1) zu Sperren und zahlreichen Behinderungen geführt. Immer wieder blieben Lkw, die bereits mit Sommerreifen unterwegs waren, liegen. Vor allem in Niederösterreich, Wien, dem Burgenland und der Steiermark waren die Einsatzkräfte gefordert. In Niederösterreich kamen wegen der schlechten Straßenverhältnisse sogar Einsatzfahrzeuge von der Straße ab.

Während in der Obersteiermark starker Schneefall zu Verkehrsunfällen führte, brachte in Graz sowie im Umland der Sturm Schäden mit sich. In Mariazell schneite es mehr als einen halben Meter. Das Rote Kreuz musste dort angesichts der Schneemassen zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. Die Rettung fuhr vorerst nur gemeinsam mit der Feuerwehr zu Einsätzen. Einige Häuser waren nicht ohne Hilfe zu erreichen, Wege mussten ausgeschaufelt und Patienten mit Tragehilfen in die Einsatzfahrzeuge gebracht werden. Manche Zufahrten waren gar nur mit größeren Feuerwehrfahrzeugen zu bewältigen.

Eine kleine Wetterbesserung ist für Freitag zu erwarten. Der Tag bringt zur erfreulichen Abwechslung viel Sonnenschein, am Nachmittag liegen die Temperaturen zwischen sieben und 15 Grad. Am Wochenende wechseln Sonne und Wolken und stellenweise ziehen Regen- oder Schneeschauer durch, vor allem an der Nordseite der Alpen. Die Schneefallgrenze liegt zwischen 800 und 1.200 Meter. Die Höchsttemperaturen am Wochenende erreichen meist um zehn Grad, in Kärnten und der südlichen Steiermark sind bis zu 18 Grad möglich.

(APA)

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