Quelle: ZAMG

Opernball von Oberhauser-Tod überschattet

24.02.2017 - 08:45
Der "Ball der Bälle" begann im Zeichen der Trauer© APADer "Ball der Bälle" begann im Zeichen der Trauer

Der 61. Wiener Opernball war am Donnerstagabend von dem Tod von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) überschattet. Gleich zu Beginn wurde für die Verstorbene eine Trauerminute abgehalten. Weite Teile der Bundesregierung verließen das Fest vorzeitig. Das Vergnügen kam aber trotzdem nicht zu kurz: Startenor Jonas Kaufmann sorgte etwa bei der Eröffnung für großen Jubel.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), der die rund 5.000 Ballgäste vor Beginn der Eröffnung um eine Trauerminute bat, sprach von einem großen Tag der Trauer. Mit "Sabine Oberhauser verlieren wir einen großartigen Menschen", sagte Kern mit Tränen in den Augen. "Sie würde es schätzen, wenn Sie sich heute amüsieren, im Gedenken an eine große Frau", sagte der Bundeskanzler von der Mittelloge aus zu den Gästen. Oberhauser sei ein "großartiger Mensch voller Lebenslust und Lebensfreude" gewesen.

Tief betroffen hatte sich zuvor auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen geäußert. "Meine Gedanken sind bei Sabine Oberhauser", erklärte Van der Bellen den Grund dafür, dass er nur kurz zur Eröffnung in die Staatsoper kam. Das Ableben der 53-Jährigen gehe ihm "sehr nahe", sagte der Bundespräsident in einem emotionalen Statement.

Die Regierungsmitglieder, die sich für die Eröffnung in der Mittelloge rund um Van der Bellen versammelt hatten, konnten alle ihre Betroffenheit über den Tod Oberhausers nicht verbergen. Die SPÖ-Mannschaft und Van der Bellen verließen die Oper gleich nach der Eröffnung. Die ÖVP-Ministerriege, angeführt von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, wollte ebenfalls nicht lange bleiben; sie hatten allerdings Staatsgäste geladen. Interviews wollten Kern und Van der Bellen keine geben, auch den Gang über den Roten Teppich hatten zahlreiche Regierungsmitglieder vermieden.

"Dieser Opernball ist leider von einem sehr traurigen Ereignis überschattet", sagte Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP). Er nehme am "Staatsball" dennoch teil, habe auch einen Gast eingeladen. Als "Ausdruck der Trauer" werde er jedoch nicht tanzen. "Der plötzliche Tod von Sabine Oberhauser überschattet natürlich diesen Ball", sagte auch Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) zur APA. "In Feierlaune bin ich nicht", sie werde den Ball auch bald verlassen. "Das kam doch sehr überraschend und schmerzhaft."

Betroffen zeigte sich auch Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) - Oberhauser sei ihr eine sehr enge, langjährige Freundin gewesen. Dennoch wünschte sie allen eine schöne Ballnacht: "Ich glaube, es wäre in Sabines Sinn gewesen, wenn alle, die am Opernball sind und auch jene, die ihn vor dem Fernseher verfolgen, einen schönen und zuversichtlichen Abend verbringen."

Die künstlerische Eröffnung des Balls startete mit der obligaten Fanfare von Karl Rosner, gefolgt von der Bundes- und Europahymne. Das Jungdamen und Jungherren-Komitee - darunter "Miss Austria" Dragana Stankovic und "Mister Austria" Philipp Rafetseder - zog zur "Polonaise" aus der Oper "Eugen Onegin" von Pjotr Iljitsch Tschaikowski ein. Stardesigner Karl Lagerfeld hat heuer die Tiara der Debütantinnen entworfen. Die Jungdamen trugen keine Blumensträuße, dafür hatten die Jungherren eine silberne Rose in der linken Hand.

Dann stand ein erster künstlerischer Höhepunkt auf dem Programm. Das Ballett der Wiener Staatsoper zeigte den von Lukas Gaudernak choreografierten Walzer "Künstlerleben". Die Kostüme für die Compagnie sowie der Ballettakademie waren übrigens beim 61. Opernball erstmals eine eigene Kreationen aus einem Guss - und zwar von Christof Cremer.

Zum ersten Mal dirigierte mit der Italienerin Speranza Scappucci eine Frau das Wiener Staatsopernorchester. Nach der weltberühmten Ouvertüre zu "Carmen" von Georges Bizet kam das absolute Highlight des Abends. Der stimmgewaltige Startenor Jonas Kaufmann schmetterte "La fleur que tu m' avais jetee" aus "Carmen" sowie "Dein ist mein ganzes Herz" aus "Das Land des Lächelns" von Franz Lehar durch den Ballsaal. Scappucci und Kaufmann ernteten tosenden Applaus.

Die 144 Debütanten hatten heuer unter der Leitung von Ballprofi Roman Svabek die "sehr liebliche und beschwingte" Polka "Künstler-Gruss" von Josef Strauß einstudiert. Dabei bildeten die Debütanten kleine Rosen-Formierungen. Am Ende überreichten die Herren den Damen schließlich in Anspielung auf die Oper "Der Rosenkavalier" die silberne Rose. Mit "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß Sohn schlossen die Debütanten ihren Auftritt ab. Nach einem gemeinsamen "Alles Walzer" war das Parkett schließlich auch für das Publikum freigegeben.

(APA)

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