Einsatzkräfte haben am Montag im Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der italienischen Insel Giglio zwei weitere Leichen gefunden. Es handelt sich dabei um zwei Frauen. Die Zahl der Todesopfer ist damit auf 15 gestiegen, 19 Menschen werden nach wie vor vermisst, teilt der Zivilschutz mit. Unterdessen setzten die italienischen Behörden die Ermittlungen fort.
Nach weiteren Leichen wird gesucht. Nicht ausgeschlossen wird, dass einige Opfer ins Wasser gefallen seien und trotz der Schwimmwesten ertrunken seien. Der italienische Zivilschutz hat unterdessen die Genehmigung für das Abpumpen des Treibstoffs aus der havarierten "Costa Concordia" gegeben, da das Schiff stabil sei.
Am Montag wurde klar, dass Schettino vor dem Unfall keine Drogen eingenommen hatte. Dies ergab der Drogentest, dem der 52-Jährige nach dem Unglück unterzogen wurde. "Wir hatten über das Ergebnis des Tests keine Zweifel", kommentierte Schettinos Rechtsanwalt Bruno Leporatti.
Die ermittelnden Staatsanwälte der toskanischen Stadt Grosseto befragten am Montag den Kommandanten der Küstenwache der Hafenstadt Livorno, Gregorio De Falco, der in der Nacht nach dem Unglück ein dramatisches Telefongespräch mit Schettino geführt hatte. Darin rief er den Kapitän zur Rückkehr auf das Schiff auf, um die Evakuierungsaktion zu koordinieren. De Falco berichtete über die Entwicklungen in der Nacht des Unfalls. Noch diese Woche wollen die Staatsanwälte die Chefs der Reederei "Costa Crociere", Betreiber der "Costa Concordia", vernehmen.
Die Staatsanwälte suchen überdies nach einem verschwundenen Laptop des Kapitäns. Nach Angaben italienischer Medien habe der Kapitän das Notebook am Vormittag nach dem Unglück einer blonden Frau übergeben. Es könnte sich um eine Rechtsanwältin der Kreuzfahrtgesellschaft "Costa Crociere", Betreiber der havarierten "Costa Concordia", handeln, berichteten italienische Medien. "Costa Crociere" bestreitet dies jedoch. Der Laptop könnte für die Ermittlungen wichtige Informationen enthalten, meinen die Staatsanwälte.
Schettino will unterdessen nicht als einziger die Verantwortung für das Unglück übernehmen und erhebt schwere Vorwürfe gegen "Costa Crociere". Die Kreuzfahrtgesellschaft sei informiert worden, dass er ein als "die Verneigung" bezeichnetes Manöver vor der Insel Giglio durchführen habe wollen, bei dem das Schiff mit voller Beleuchtung und Sirenen die Küstenbewohner grüßt. Die "Verneigung" werde von Kreuzfahrtschiffen auf der ganzen Welt durchgeführt und sei eine Art von Werbung für die betroffene Gegend, berichtete Schettino in Aussagen vor den Staatsanwälten.
(APA)

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